PA 1189 MCH Group AG [bis 2009: MCH Messe Schweiz AG / bis 2001: Schweizer Mustermesse AG / bis 1999: Genossenschaft Schweizer Mustermesse], 1916-2001 (Fonds)

Archivplan-Kontext

 

Identifikation:

Signatur:PA 1189
Titel:MCH Group AG [bis 2009: MCH Messe Schweiz AG / bis 2001: Schweizer Mustermesse AG / bis 1999: Genossenschaft Schweizer Mustermesse]
Entstehungszeitraum:1916 - 2001
Verzeichnungsstufe:Fonds
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Link): MCH Group AG (Basel)
Aktenbildner/Provenienz (Text):Entstehungsgeschichte und Initianten:
Die Initiative zur Gründung einer Schweizerischen Warenmesse erfolgte zu Beginn des Ersten Weltkriegs (1914) durch den Belgier Jules de Praetere, Kunstmaler und Direktor der Gewerbeschule Basel. Durch die wirtschaftliche Bedrohung erstarkte der Gedanke, eine nationale Leistungsschau zu initiieren, die den Überlebenswillen der Schweiz steigern, Annexionswünsche ersticken und den Willen und die Notwendigkeit, die landeseigene Produktion zu stärken, steigern sollte. Die Vorarbeiten für die erste Messe begannen im Jahr 1915. Mitstreiter von Jules de Praetere waren, neben dem ehemaligen Regierungsrat Dr. Hermann Blocher, Prof. Dr. Fritz Mangold und Regierungsrat Dr. Friedrich Aemmer sowie der damalige Sekretär der Basler Handelskammer Dr. Traugott Geering. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt spielte bei der Gründung der Mustermesse eine führende Rolle. Mit Beschluss vom 15.6.1916 gab der Regierungsrat - auf Antrag von Fritz Mangold vom 7.2.1916 - das Einverständnis zur Veranstaltung einer Mustermesse. Gleichzeitig wurden die für die Durchführung der Mustermesse nötigen Kredite gesprochen. Zuvor wurde die Idee im Nationalrat besprochen und eher kühl aufgenommen. Aufgrund der geteilten Meinungen wurde vom Nationalrat eine Studienkommission eingesetzt, die sich mit dem Projekt Mustermesse befasste. In der Anfangszeit der Mustermesse finanzierte vor allem der Kanton Basel-Stadt das Unterfangen. Basel als fester Standort der Mustermesse wurde erst einige Jahre nach der ersten Durchführung zum Thema.
Erste Messen und Charakter:
Die erste Mustermesse öffnete am 15.4.1917 (Ende am 29.4.1917) ihre Pforten. Sie wurde im Basler Stadtcasino und einigen umliegenden Turnhallen sowie einer provisorischen Messehalle am heutigen Standort im Kleinbasel durchgeführt. Durchschnittlich waren pro Tag über 5'000 BesucherInnen anwesend. Über tausend Firmen stellten Muster aus, aufgrund derer Bestellungen getätigt werden konnten. Ein direkter Warenverkauf fand noch nicht statt. Viele Aussteller unterstützten ihre Messepräsenz mit Zeitungsinseraten, Faltprospekten und Handzetteln. Ungefähr sechzig in- und ausländische Pressevertreter berichteten von dieser ersten Messe. Die Mustermesse fand nach ihrer ersten Ausführung jeweils jährlich statt.
Bis 1920 bestand ein ständiges Musterlager, in welchem Gewerbetreibende ihre Produkte das ganze Jahr über ausstellen konnten. Dieses Musterlager wurde jedoch aufgrund des mangelnden Kontaktes zwischen Käufer und Verkäufer wieder aufgelöst.
In den Anfängen der Messe waren nur schweizerische Firmen mit einer komplett schweizerischen Belegschaft zur Teilnahme zugelassen. Etwas später wurde diese Beschränkung etwas gelockert, so dass sich schweizerische Firmen mit einer schweizerischen Geschäftsleitung beteiligen durften. Noch in den späten 1940er Jahren schrieb der damalige Direktor Brogle, dass die Schweizer Mustermesse die einzige der wichtigen europäischen Messen sei, die eine derartige Zulassungspolitik verfolge.
Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges konnten viele Arbeitslose als Messehelfer beschäftigt werden. Die Messe zum 25-Jahr-Jubiläum 1941 wurde trotz des Krieges zu einem unerwarteten Erfolg, es waren mehr als doppelt so viele Besucher als im Jahr 1939 anwesend. Zahlreich waren auch ausländische Besucher vertreten, gar amerikanische Zeitungen berichteten über die Messe. Während dieser Zeit wurden die strengen Bestimmungen, nicht fach- oder kaufinteressiertes Publikum nur begrenzt zuzulassen, gelockert, dies auch aufgrund der Erfahrungen, welche an der Landi 1939 gesammelt worden waren. Rationierung, die allgemein schlechte Versorgungslage sowie Flüchtlings- und Interniertenprobleme erschwerten die Durchführung und Organisation. Dennoch expandierte die Mustermesse weiter.
Der stark nationale Charakter aus den Anfängen der Messe wurde bis zu Beginn der 1960er Jahre beibehalten, als in bestimmten Branchen vereinzelt ausländische Produkte zugelassen wurden. Es wurde ebenfalls beschlossen, dass auch ausserhalb der Mustermesse nationale und internationale Fachmessen zugelassen werden sollten.
Organisation und Rechtsform:
Die erste Messe war zwar klein, aber erfolgreich. Die Organisation übernahm ein Organisationskomitee, welches durch den Regierungsrat eingesetzt wurde. Diesem waren sechs Unterkomitees angegliedert: Messekomitee, Bau- und Dekorationskomitee, Finanzkomitee, Presse- und Propagandakomitee, Quartierkomitee, Unterhaltungskomitee. Nach der Durchführung der ersten Mustermesse wurden die Unterkomitees aufgelöst, und die Organisation erfolgte bis 1920 durch das Organisationskomitee.
1920 wurde eine Genossenschaft gegründet (SMM - Genossenschaft Schweizer Mustermesse), um das bis anhin allein durch den Kanton Basel-Stadt getragene Unternehmen auf eine gesamtschweizerische Basis zu stellen. Genauso sollten wirtschaftliche Aufgaben im Interesse aller Mitglieder gemeinschaftlich gelöst werden. Nach wie vor war aber der Kanton Basel-Stadt mit einem grösseren Betrag an der Genossenschaft beteiligt. Bis 1947 bestand die Messe als privatrechtlich organisierte Gesellschaft, in welcher die Stimmen aufgrund der Anzahl gezeichneter Anteilsscheine verteilt wurden. Danach erfolgte eine Umwandlung in eine Genossenschaft öffentlichen Rechts des Kantons Basel-Stadt. Im Jahr 1947 konnte die Mustermesse auch erstmals auf Betriebszuschüsse verzichten. Bis anhin hatte die öffentliche Hand das Unternehmen unterstützt.
1961 erfolgte eine Statutenrevision, um die Kompetenzen der einzelnen Organe zu ordnen und zu vereinfachen. Die Rechtsform der Genossenschaft blieb jedoch weiterhin bestehen, bis 1999 die Genossenschaft Schweizer Mustermesse in die Aktiengesellschaft Schweizer Mustermesse AG umgewandelt wurde.
Im Jahr 2001 erfolgte der Zusammenschluss mit der Messe Zürich zur MCH Messe Schweiz AG. 2009 fand eine weitere Umbenennung in MCH Group AG statt.
Lage und Bautätigkeit:
In den ersten Jahren der Mustermesse war man bestrebt, die Messeräume an einem Standort zusammenzuführen. Bereits 1918 wurde die gesamte Messe im Gebiet Riehenring durchgeführt. Trotz einigem Hin und Her wurde am Standort Kleinbasel festgehalten. Die ersten Bauten hatten eher provisorischen Charakter. Am 17.9.1923 zerstörte ein schwerer Brand diese ersten Räumlichkeiten der Schweizer Mustermesse. Da die Messe 1924 unbedingt stattfinden sollte, musste so rasch als möglich neu gebaut werden, die ersten definitiven Bauten der Mustermesse entstanden. Für die Messe 1926 wurden das Hauptgebäude und weitere Hallen gebaut. Zu Beginn der 1930er Jahre wurden weitere Räumlichkeiten erstellt. Das ursprünglich zur Verfügung stehende Messegelände war allmählich überbaut.
Das Gelände, auf dem die Messebauten errichtet wurden, war ehemals Terrain des Badischen Bahnhofes. Ab 1855 stand dort ein Holzprovisorium des Badischen Bahnhofes, im Mai 1859 begannen die definitiven Bauarbeiten. Diverse bauliche Anpassungen und Erweiterungen des Badischen Bahnhofes erfolgten in den Jahren darauf. Die Geleise der Badischen Bahn beeinträchtigten jedoch die Vorhaben für die Basler Stadtentwicklung. So wurde Ende des 19. Jahrhunderts nach einer neuen Standortlösung gesucht. Im Jahr 1900 einigte man sich auf eine Verlegung des Badischen Personenbahnhofes an die Schwarzwaldallee. Die übrigen Bahnanlagen sollten umgebaut werden. 1913 schliesslich wurde die alte Bahnanlage an den neuen Standort verlegt. Die Stadt Basel erwarb das frei gewordene Areal. Dort wurden danach die Basler Herbstmesse abgehalten und auch die eingangs erwähnten, bis zum Brand von 1923 eher provisorischen, Gebäude der Schweizer Mustermesse gebaut.
Während des Zweiten Weltkrieges entstanden weitere neue Mustermessehallen. 1953-1954 wurde der noch heute bestehende Rundhofbau errichtet. Der Bau war lange das erste und einzige mehrstöckige Messegebäude in Europa. Somit wurde Basel als nationaler und internationaler Messeplatz immer begehrter. Bis 1965 wurde weitergebaut, neue Hallen kamen hinzu sowie der Neubau Rosental. Durch die weiteren neuen Bauten wurde die enge Raumsituation entschärft und es konnten vermehrt weitere grössere und kleinere Messen durchgeführt werden.
Eine weitere Phase reger Bautätigkeit folgte in den 1970er und 1980er Jahren. Diese lösten in Politik und Bevölkerung viele Diskussionen aus. Ein Parkhaus auf der Rosental-Seite des Geländes konnte anlässlich der Muba 1975 in Betrieb genommen werden. Ende 1983 wurde die Aufrichte der Halle 5 gefeiert, Ende 1984 waren das Kongresszentrum samt Hotel le Plaza bezugsbereit.
1995 wurde das Musical Theater fertig gestellt, die Messe Basel war mit der Inszenierung des Musicals 'Das Phantom der Oper' um eine Attraktion reicher geworden.
In den späten 1990er Jahren erfolgte der Neubau der Halle 1. Diese bauliche Aufwertung trug den Namen 'Messe Basel Plus'.
2011- 2013 wurde die Messe wiederum um eine mehrstöckige Überbauung erweitert.
Direktoren und Entwicklung:
Auf Jules de Praetere, der nach der ersten Mustermesse vom Direktorposten zurücktrat, folgte der Zeitungsredaktor und Volkswirtschaftler Dr. Wilhelm Meile. Er blieb bis ins Jahr 1938 Direktor der Schweizer Mustermesse. Als Meile 1938 zum Generaldirektor der Schweizerischen Bundesbahnen gewählt wurde, folgte ihm der Betriebswirtschaftsprofessor Dr. Theodor Brogle als Direktor der Mustermesse.
1954 musste Brogle krankheitshalber als Messedirektor zurücktreten. Auf seinem Posten folgte ihm der Volkswirtschaftler Dr. Hermann Hauswirth nach. Er setzte sich genauso wie sein Vorgänger für die Expansion der Fachmessen ein. Diversifikation war in seinen Augen wichtiger als unbegrenztes Wachstum. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kann als eine Zeit der Internationalisierung betrachtet werden. In den späten 1950er Jahren erfuhr die traditionelle Mehrbranchen-Messe eine Ergänzung durch Fachmessen mit internationalem Angebot. Durch die Beschränkung auf eine Branche konnte ein umfassenderer Überblick geboten werden. So wurden beispielsweise ab 1957 die Schweizer Fachmesse für Holzverarbeitung oder ab 1958 die Umweltschutzmesse Pro Aqua durchgeführt. Im Laufe der Zeit entwickelten sich immer mehr eigenständige Messen. Einige derselben haben die Mustermesse an Bedeutung klar überholt, so zum Beispiel die heutige Basel World.
1971 folgte Dr. Frédéric Walthard als fünfter Messedirektor seit der Gründung. Mit viel Einsatz widmete er sich dem Ausbau der Fachmessen, dazu gehört die Ausgliederung der Baufachmesse Swissbau aus der Muba. Ebenfalls wie seine Vorgänger verfolgte Walthard eine Internationalisierung der Messe. Mit Mexiko stellt sich 1975 der erste Handelspartnerim Rahmen der Muba in Basel vor. Während Walthards Amtszeit mögen gegen 1'000 Sonderschauen zustande gekommen sein.
Auf Walthard folgte 1988 Philippe Lévy, Botschafter und Delegierter des Bundesrates für Handelsverträge, als neuer Generaldirektor. Er amtete bis ins Jahr 1995, worauf ihm ETH-Elektroingenieur Hans Hagenbuch nachfolgte.
Im Jahr 2000 wurde die Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Damit änderte sich auch die Organisationsstruktur der Leitung der Messe. Ein Verwaltungsrat wurde eingesetzt. Das Amt des Messedirektors bestand in der urspünglichen Form fortan nicht mehr.
Durch die Öffnung Richtung Ausland im Laufe der Jahre, die vielen Ausstellungen, Fachmessen, Sonderschauen und Kongresse ausserhalb der Muba gewann Basel an Bedeutung als Kongress- und Messestadt.
 

Inhalt und innere Ordnung:

Form und Inhalt:Siehe bei den Angaben zu den Beständen 1189a und 1189b.
 

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Depositum
Zugangsbestimmungen:Es gelten die allgemeinen Benutzungsbestimmungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.
Copyright/Reproduktionsbestimmungen:Es gelten besondere Nutzungsbestimmungen. Details entnehmen Sie dem Feld 'Copyright / Reproduktionsbestimmungen' in den allgemeinen Informationen zu PA 1189b auf der Stufe Bestand.
 

Sachverwandte Unterlagen:

Verwandtes Material:DI-REG 1c 4-3
Veröffentlichungen:u.a.:
- Brogle, Theodor: Eindrücke von einer Amerikareise.
- Genossenschaft Schweizer Mustermesse: 25 Jahre Schweizer Mustermesse. Ein Jubiläum der Schweizer Arbeit. Zürich 1942.
- Genossenschaft Schweizer Mustermesse: 50 Jahre Schweizer Mustermesse Basel. Basel 1966.
- Lévy, Philippe: 75 Jahre Schweizer Mustermesse, in: Basler Kalender, Nr. 51, 1991, S. 153-156.
- Meile, Wilhelm: 20 Jahre Messedirektor. Erinnerungen. Separatdruck aus der Jubiläums-Festschrift zur 25. Schweizer Mustermesse. April 1941.
- Walter, Hanspeter: Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Schweizer Mustermesse, in: Brogle, Theodor (Hrsg.): Basler betriebswirtschaftliche Studien, Heft 9, Basel 1951.
- Walthard, Frédéric P.: Erinnerungen. 3 Bände. Zürich 2005-2007.
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:30.09.2010
Revisionsdatum:22.06.2012
 

Deskriptoren

Einträge:  Genossenschaft Schweizer Mustermesse (Personenbegriffe\G)
  Mustermesse Basel (Personenbegriffe\)
  Messe Basel AG (Personenbegriffe\M)
  Messe Schweiz AG (Personenbegriffe\)
  MCH Group AG (Personenbegriffe\M)
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.2031
Erforderliche Bewilligung:Gemäss Archivgesetz BS
Physische Benützbarkeit:uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Oeffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=901467
 
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