PA 1000 Zoologischer Garten Basel, 1873 (ca.)-2008 (ca.) (Fonds)

Archive plan context

 

Identifikation:

Signatur:PA 1000
Titel:Zoologischer Garten Basel
Entstehungszeitraum:approx. 1873 - approx. 2008
Verzeichnungsstufe:Fonds
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Link): Zoologischer Garten Basel (Basel)
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Zoologischer Garten Basel PA 1000a
Die Eröffnung des Zoologischen Gartens Basel fand 1874 statt. Schon 1872 war die Errichtung eines Zoos in Basel von der Ornithologischen Gesellschaft als Vereinszweck definiert worden. Die Gründer des Zoos waren Träger der bürgerlichen Gesellschaft und das Projekt ein dezidiert bürgerliches. Der Garten sollte einen Gegenpol bilden zu einer städtischen Welt, die als absorbierend, nervenaufreibend und unmoralisch beschrieben wurde. Bewegung an der frischen Luft, aber auch Unterhaltung und Belehrung, sollten die Menschen im Zoo finden. Die Eckpfeiler der Zoologischen Gärten Erholung und Bildung sind damit ausgesprochen, sie wurden später noch durch Forschung und Erhaltung von Tierarten ergänzt.

Gezeigt werden sollten ursprünglich Tiere der Alpen. Steinwild wurde in Miniatur-Felslandschaften, Rotwild in verwinkelten Jagdschlossartigen Gebäuden und Bären und Eulen in mittelalterlichen Gelassen und Gemäuern untergebracht. Eine zahlenmässig untergeordnete Rolle spielten zur Gründungszeit Tiere, die in anderen Kontinenten heimisch sind. Dies steht im Gegensatz zu Zoos im Rest der Welt, die in der Tradition der Menagerien von Königs- und Fürstenhäusern schon immer exotische Tiere zeigen wollten. Die Europäischen Grossmächte inszenierten in ihren Zoos die Dimension ihres Imperiums. Schon ab den 1880 Jahren waren allerdings auch in Basel Gazellen, Tapire, Kamele, Panther und der berühmte Elefant Miss Kumbuk zu sehen. Neben den verschiedenen Aktivitäten des Zoologischen Gartens wie Tierverlosungen und Konzerten wurden nun auch sogenannte Völkerschauen gezeigt.

Zu den Direktoren und Verwaltungsratspräsidenten
Der erste langjährige Direktor des Zoos war Gottfried Hagmann, der von 1876 bis 1913 seines Amtes waltete. Ihm folgte für dreissig Jahre Adolf Wendnagel. Er war ein Praktiker im besten Sinn des Wortes und verfügte über grosse ornithologische Kenntnisse. Unter seiner Ägide erfolgten viele neue Bauten und eine Erweiterungen des Gartens. Mit der Wahl von Heinrich Hediger 1944, ging der Zoologische Garten neue Wege in der Tiergartenbiologie. Er war ein Spezialist der Verhaltensforschung und der Tierpsychologie. 1953 übernahm Ernst Lang die Leitung, die er bis 1978 inne hatte. Seine Verdienste liegen vor allem im Bereich der Zuchterfolge. Schon 1976 wurde eine Betriebsleitung eingesetzt, die den abtretenden Direktor entlastete. Sie setzte sich aus Hans Wackernagel, Peter Studer und Dieter Rüedi zusammen. Dieter Rüedi hatte das Amt des Direktors von 1979 bis 1995 inne. Seit 1995 ist Peter Studer Direktor des Zoologischen Gartens Basel. Er übergab das Amt nach 34-jähriger Zolli-Laufbahn im April 2002 Olivier Pagan. Der legendäre Naturforscher Fritz Sarasin, wurde 1921 Präsident des Verwaltungsrates und blieb es, bis er 1942 vom nicht weniger einflussreichen Rudolf Geigy abgelöst wurde. Fritz Sarasin brachte nach dem Krieg selbst Tiere von seinen ausgedehnten Reisen nach Basel, während der Tropenbiologe Rudolf Geigy sein Schwergewicht auf die neuen Ansätze der Tierhaltung legte und auf wirksame Öffentlichkeitsarbeit, indem er Pressekontakte knüpfte und institutionalisierte.

Bei der Eröffnung des Gartens standen 4,3 ha Grund zur Verfügung, die schon 1884 fast verdoppelt wurden durch die Ausdehnung bis zur Elsässerbahn. Damit schuf man auch die Festmatte für Gastspiele von Tier- und sogenannten Völkerschauen. Die Tiere waren in Käfigen untergebracht, die zwar eine gute Sicht auf das 'Ausstellungsobjekt' gaben, aber dem Lebewesen keinen Bewegungsraum liessen.
Die ersten Jahre waren geprägt von tiefen BesucherInnenzahlen und finanziellen Schwierigkeiten. Eine erste feste finanzielle Grundlage wurde 1901 mit der Johannes Beck Stiftung geschaffen. Bis heute ist der Zoologische Garten eine privatrechtliche Gesellschaft, die mit Eintrittsgeldern, Spenden und Legaten und sporadischen Zuschüssen vom Kanton Basel-Stadt lebt. Auch daran ist die breite und tiefe Verankerung des Gartens in der Bevölkerung Der erste Weltkrieg stellte eine massive Zäsur dar, die Futterpreise stiegen enorm und gleichzeitig blieben die BesucherInnen aus. 1919 gründete sich der Verein der Freunde des Zoologischen Gartens mit dem Ziel, den Garten populär zu machen und ihn mit Tier- und Geldgeschenken zu unterstützen. Zur Geschichte des Freundevereins siehe unter PA 1000c, Bestandsgeschichte.
Schon in den 1920er Jahren begann sich aus Deutschland kommend die Idee durchzusetzen, Tiere in gitterlosen Freianlagen zu zeigen. Im Zoo Basel wurde sie manifest im Bau des Seelöwenbassins. Die Felslandschaft wurde von Urs Eggenschwyler erbaut (1922).
Ein weiterer Einschnitt bildete der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche von 1937. Sie dezimierte den Tierbestand in einem nie gekannten Ausmass und der Garten musste vorübergehend geschlossen werden.
1884 bis 1929 war eine Phase regen Ausbaus. Das erste Elefantenhaus - im maurischen Stil - wurde 1891 errichtet und stand bis 1959, als es durch ein neues ersetzt wurde. In der Zeit von 1929 bis 1939 wurde die grösste Erweiterung des Gartens vollzogen indem der hintere Teil des Gartens, der heutige "Sautergarten" und der vordere Teil, inklusive Parkplatz eingeschlossen wurde.
Nach Kriegsende nahmen die BesucherInnenzahlen und Einnahmen rasch zu. Nicht zuletzt deshalb, weil wieder exotische Tiere importiert werden konnten, die im Laufe des Krieges eingegangen waren.
Zum 75jährigen Bestehen des Gartens 1949 wurde ein Jubiläumsprojekt ausgearbeitet, für die Ausführung wurden dem Garten vom Arbeitsrappen und der Regierung erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt. Somit entfaltete der Zoologische Garten seine intensivste Bautätigkeit in den 1950er Jahren als der Betriebsgebäudekomplex, ein neuer Eingang, die neue Elefantenanlage und Raubtieranlage, die Nashorn-Flusspferdeanlage, neue Raubvogelvolieren und die Arena errichtet wurden. Die Schaukäfige wichen geräumigen Anlagen, in denen Tiergruppen gehalten und beobachtet werden konnten. So kam 1953 eine ganze Herde junger Afrikanischer Elefanten nach Basel. Das Gesamtziel bestand in einer einheitlichen Durchgestaltung des Gartens.
Der Garten erhielt zwischen 1959 und 1961 erneuten Zuwachs durch den Einbezug des Nachtigallenwäldchens gegen die Stadt hin und die Schutzmatte gegen Binningen hin.
Neben dem Affenhaus, das 1969 in Betrieb genommen wurde, und der Neugestaltung des Eingangsbereiches, stellte die Eröffnung des Vivariums im Jahr 1972 eine zentrale Neuerung dar. Mit dem Vivarium wurde die Artenvielfalt des Zoologischen Gartens massiv erhöht. Schon wenige Jahre später (1977) erfolgte ein auch konzeptionell neuer Meilenstein in der Errichtung des "Kinderzolli'. Damit wurden Haustiere für Kinder erfahrbar.
Die Steigerung der Artenvielfalt durch das Vivarium steht im Gegensatz zur allgemeinen Tendenz, in Richtung weniger grosser Artenvielzahl zu Gunsten von grösseren Individuenzahlen zu arbeiten. Damit steht nicht nur das einzelne Tier im Blickpunkt, sondern auch dessen Sozialverhalten.
Rege Bautätigkeit ist auch in den 1980er Jahren zu verzeichnen in der viele bestehende Anlagen erneuert und erweitert wurden. Die Anlagen
wurden nochmals viel stärker den Lebensräumen und dem Verhalten der Tiere angepasst.
Die Afrika-Anlage, die 1993 eröffnet wurde, folgte einem ganz neuen Konzept: Unterschiedliche Tiere leben im selben künstlichen Lebensraum. Doch damit sind die Möglichkeiten des Zoos noch nicht erschöpft. Dies wird deutlich an der Etoscha-Anlage. Dort werden dem Publikum Nahrungskreisläufe der Natur didaktisch ausgefeilt vor Augen geführt.

Zooattraktionen
Zu den Attraktionen jedes Zoos gehörten ursprünglich vor allem unbekannte Tiere. Und auch Basel schwenkte wegen der hohen Sterblichkeit von Alpentieren rasch auf diese Linie ein. Später verschob sich dies hin zu seltenen, beziehungsweise bedrohten Tieren. Die Zoologischen Gärten definierten sich damit auch zu Erhaltern bedrohter Natur. Der Zoologische Garten Basel weist grosse Zuchterfolge besonders bedrohter Tierarten auf, ein Resultat der möglichst artgerechten Haltung und Ernährung. Genannt werden können in diesem Zusammenhang Panzernashorn, Gorilla, Zwergflusspferd, Orang Utan und Brillenbär.
Jungtiere werden aber nicht nur zur Arterhaltung gezüchtet, sie bilden jeweilen eine besondere Attraktion mit hohem Schauwert.
In früherer Zeit spielten einzelne bekannte Tiere eine grosse Rolle: etwa Achilla, die Stammmutter der Gorillafamilie (seit 1948 in Basel) und Mutter der noch berühmteren Goma oder auch Luzi der Eisbär und Fritz der Zackenbarsch. Goma und Luzi gingen durch die Weltpresse, indem ihre Handaufzucht breit medial dokumentiert wurde.
Neben den Tieren ist aber auch die Gartengestaltung des Zoos ein Qualitätsmerkmal. Der Pflege der Gartenlandschaft und der Flora wurde im relativ kleinen, mitten in der Stadt gelegenen Basler Zoo immer grösstes Augenmerk geschenkt.

Begonnen hatte der Zoologische Garten Basel mit 4,5 ha und 510 Tieren in 118 Arten, während rund 125 Jahre später auf 17 ha 6847 Tiere in 605 Arten den Garten bevölkern. Der Zoologische Garten empfing in seiner langen Geschichte über 60 Millionen (1999) Besucherinnen und Besucher.
 

Inhalt und innere Ordnung:

Form und Inhalt:Siehe direkt unter PA 1000a und PA 1000c
 

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Depositum
Zugangsbestimmungen:Es gelten die allgemeinen Benutzungsbedingungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.
Copyright/Reproduktionsbestimmungen:Gemäss Vereinbarung vom 22. 12. 1999 ist der Zoologische Garten Inhaber des Urheberrechts. Er überträgt sämtliche Nutzungsrechte dem Staatsarchiv.
Das Staatsarchiv des Kantons Basel-Stadt kann Reproduktionen und Kopien zur Veröffentlichung zur Verfügung stellen.
 

Sachverwandte Unterlagen:

Veröffentlichungen:75 Jahre Verein der Freunde des Zoologischen Gartens. Sonderbulletin des Vereins der Freunde des Zoologischen Gartens, zu seinem 75jährigen Bestehen (1919-1994). Basel 1994.

100 Jahre Zoologischer Garten Basel, 1874-1974. Rudolf Geigy, Ernst M. Lang, Hans Wackernagel, Peter Studer und Kurt Brägger, 152. Neujahrsblatt, Basel 1974.

Der Basler Zoologische Garten: Sein, Werden und Bestehen, mit Beiträgen von Gustav Steiner, Rudolf Geigy, Heini Hediger, Richard Arioli, 131. Neujahrsblatt, Basel 1953.

Der Zoologische Garten in Basel, Hg. von der Schweizerischen Kreditanstalt Basel, Basel 1971.

Geigy Rudolf: 75 Jahre Zoologischer Garten Basel, Basel 1949.

Hediger Heinrich: 75 Jahre Basler Zoo, Basel 1949.

Hess Jörg: Zoo Basel, Basel 1980.

Hess Jörg: Tierkinder Tiermütter. Zoo Basel, Basel 1985.

Hess Jörg: Menschenaffen Mutter und Kind. Basel 1996.
Lang Ernst M.: Mit Tieren unterwegs. Aus dem Reisebuch eines Zoodirektors, Basel 1994.

Sarasin Fritz: Geschichte des zoologischen Gartens in Basel, 1874-1924, Zur Feier des 50jährigen Bestehens, Basel 1924.

Schreier Esther: Die Bäume des Zoo Basel. Bauminventar. Basel 1990 (2. Aufl.).
Staehelin Balthasar: Die dunklen Schönheiten frieren wie die 'Affen'. Völkerschauen im Zoologischen Garten Basel, 1879-1935. Unveröffentlichte Lizentiatsarbeit, Basel 1991.

Staehelin Balthasar: Völkerschauen im Zoologischen Garten Basel 1879-1935. (Basler Afrika Bibliographie), Basel 1993.

Stemmler-Morath Carl: Meine Freunde im Zoo, Basel 1979.

Studer Peter: Nasse Welt: Streifzüge durch die Biologie und durch die natürlichen Lebensräume von Fischen, Basel 1985
.
Wanner Gustav: Leben und Erleben im Zolli, Basel 1974.

Zoo Basel, Hg. Zoologischer Garten Basel, 2 Bd., Basel 1999.
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:3/21/2000
Revisionsdatum:11/22/2006
 

Descriptors

Entries:  Hediger, Heinrich (1908-1992), Prof. Dr. (Personenbegriffe\H)
  Wackernagel, Hans (1925-2013), Dr. (Personenbegriffe\W)
  Rüedi, Dieter (1945-) (Personenbegriffe\)
  Sarasin, Fritz (1859-1942) (Personenbegriffe\S)
  Geigy, Rudolf (1902-1995), Prof. Dr. (Personenbegriffe\G)
  Studer, Peter (Personenbegriffe\S)
  Wendnagel, Adolf (1876-1952), Direktor (Personenbegriffe\W)
  Lang, Ernst Michael (1913-), Direktor Zolli (Personenbegriffe\L)
  Hagmann, Gottfried (Personenbegriffe\)
  Zoologischer Garten Basel (Personenbegriffe\)
 

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BSL 1001 Zoologischer Garten Basel [Bildarchiv], 1874-1999 (ca.) (Bestand)

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PLA 2 Zoologischer Garten Basel, 1871-1979 (Bestand)

Verwandte VE in scopeArchiv:
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Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 1123 Archiv des Tierschutz beider Basel [bis 1998: Basler Tierschutzverein und Tierschutzverein Basellandschaft], 1898-1997 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
BD-REG 1 A 708 Zoologischer Garten (Serie)

Verwandte VE in scopeArchiv:
Vereine und Gesellschaften J 1 Zoologischer Garten, 1872-1933 (Serie)
 

Usage

End of term of protection:12/31/2038
Permission required:Gemäss Archivgesetz BS
Physical Usability:uneingeschränkt
Accessibility:Oeffentlich
 

URL for this unit of description

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=96009
 
 
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