SD-REG 11 Kantonsspital Basel (bis 1972 Bürgerspital; ab 2004 Universitätsspital), 1800-1999 (Fonds)

Archivplan-Kontext

 

Identifikation:

Signatur:SD-REG 11
Titel:Kantonsspital Basel (bis 1972 Bürgerspital; ab 2004 Universitätsspital)
Entstehungszeitraum:1800 - 1999
Verzeichnungsstufe:Fonds
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Link): Universitätsspital Basel (Basel)
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Die Anfänge des Spitalwesens
Die erste Erwähnung eines städtischen Spitals in Basel ist auf 1265 zu datieren. Vorher wurden Kranke in kirchlichen Institutionen gepflegt. Das Aufnahmekriterium war jedoch nicht die Krankheit, sondern die Mittellosigkeit. Das Spital diente Bürgerinnen, Bürgern sowie Einwohnerinnen und Einwohnern ohne Bürgerrecht. Es lag an der oberen Freien Strasse beim Barfüsserplatz. Im 18. Jahrhundert umfasste es rund dreissig Räume welche 175 Personen aufnahmen (Heilanstalt für die Kranken, Pfrund (für Chronischkranke) - und Versorgungshaus, Gebäranstalt, Betsaal, Verwaltung und Ökonomie). Daneben lag ein Spital für ca. 70 'Geisteskranke, Geistesschwache und Epileptiker'.

Im 19. Jahrhundert
Aus Platzmangel drängte sich ein Umzug auf. 1842 zog das Spital an die Hebelstrasse, wo im ehemaligen Palais der Markgrafen von Baden-Durlach 340 Betten zur Verfügung standen. Nach dem Umbau, der zwischen 1838 und 1842 erfolgte und der ca. 640'000 Franken kostete, standen 588 Betten zur Verfügung. Die Hälfte der Baukosten wurde durch eine Sammlung unter den Einwohnerinnen und Einwohnern aufgebracht. Ab diesem Zeitpunkt stand das Bürgerspital der gesamten Bevölkerung offen.
Die Patientenzahl nahm u.a. infolge des Bevölkerungswachstums und der besseren Behandlungen sehr stark zu. 1855 betrug sie bereits 1646. Christoph Merian-Burckhardt übernahm die Kosten von 800'000 Franken für einen neuen Spitalflügel, der zwischen 1857 und 1868 entstand und einen zeitgemässen Operationssaal enthielt.

Das Spital und die Universität
Die Tätigkeit der Professoren für Medizin der Universität wurde für das Spital im 19. Jahrhundert wichtig. Der klinische Unterricht war allerdings schon von Felix Platter (1536-1614) eingeführt worden. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts differenzierte sich die Chirurgie aus der allgemeinen Medizin heraus. In Basel wurde 1818 eine Professur für 'Chirurgie, Anatomie und Entbindungskunst' geschaffen. 1830 erhielt der Professor für Chirurgie eine leitende Stellung am Bürgerspital. Zum Durchbruch verhalf dem klinischen Unterricht Professor Carl Gustav Jung (1794-1864) durch den Klinikvertrag, der 1865 zwischen der Universität (Kanton) und dem Bürgerspital (Bürgergemeinde) abgeschlossen wurde. Durch den Klinikvertrag wurde das Bürgerspital zum Universitätsspital, das sich verpflichtete, mit der modernen Medizin Schritt zu halten, auszubilden und zu Forschen. Im Gegenzug erhielt es Kredite für den Ausbau.

In der Zeit zwischen dem Umbau von 1842 bis zum Neubau 1946 wurde die Sozialeinrichtung Bürgerspital zum modernen Universitätsspital.
Spezialisierte Spitäler
Das Kinder- und das Augenspital waren eigenständige Institutionen. Ersteres wurde 1863 gegründet, zweiteres 1864.
Die psychiatrische Heilanstalt Friedmatt wurde 1883/87 in Sinne einer Ausgliederung aus dem Bürgerspital durch den Kanton eingerichtet (das Ordinariat für Psychiatrie war 10 Jahre zuvor geschaffen worden).
1890 erstellte der Kanton eine eigenständige medizinische Poliklinik an der Hebelstrasse.
Die erste Professur für Geburtshilfe wurde 1887 errichtet und 1896 wurde das Frauenspital, ebenfalls eine Ausgliederung des Bürgerspitals und vom Kanton bezahlt, errichtet.
Basel erhielt im selben Jahr den ersten Röntgenapparat, Grundstein des Röntgeninstitutes.
Aus der allgemeinen inneren Medizin entwickelte sich die Neurologie als eigenständiges Gebiet, was die Schaffung der Neurologischen Poliklinik (1920) zur Folge hatte.
1935 wurde die dritte Spitalabteilung, die sozialmedizinische Abteilung der 'Milchsuppe' geschaffen. Dort wurden
klinisch geheilte, aber noch nicht arbeitsfähige Patientinnen und Patienten aufgenommen. Diese Abteilung wurde später zum ersten schweizerischen Paraplegikerzentrum ausgebaut (1967).
Die Orthopädie erhielt im Jahre 1967 ein eigenes Spital, das Felix-Platter-Spital.
Der Ausbau des Bürgerspitals im 20. Jahrhundert
Mit Neu-, Erweiterungs- und Umbauten konnte das Bürgerspital bis 1940 seine Bettenzahl auf 1000 erhöhen. Von 1939 bis 1946 wurden das Bettenhaus I mit Küchenbau, Werkstätten etc., Verbindungsgängen und das Infektionskrankenhaus gebaut. Finanziert wurden die Bauten durch die Bürgergemeinde und den Kanton. Im Ausland hatte Krieg geherrscht und der Bürgerspital-Neubau diente nach dem Krieg als Vorbild für Spitalgrossbauten. Schon kurz nach Bezug des viel teurer als geplanten Bettenhauses stellte sich auch mit den 1400 Betten erneut Knappheit ein. Dies, weil das Projekt redimensioniert worden war und das Bevölkerungswachstum nach dem Krieg sehr gross war. Weitere Faktoren waren die steigende Lebenserwartung und die Spezialisierung der Medizin.
Die Planung der dritten Bauetappe (ursprünglich: Verbindungsbau, Umbau des alten Spitals, Tunnel) zog sich über 15 Jahre hin. Die geänderten Rahmenbedingungen führten zu neuen Bedürfnissen. Die Baukommission rechnete mit 945 neuen Betten, 7 Polikliniken, 5 neuen Klinikabteilungen und 3 weiteren Abteilungen. Man entschied sich trotz verschiedener Bedenken für eine Hochhausvariante. Daraus entstand der 'Basler Bürgerspitalskandal' (Planungsdebakel der Baukommission, undemokratisches und autoritäres Verhalten der Regierung). Der Bau - er wurde nach einem Baustopp 1967 ein zweites Mal konzipiert und auf das Bettenhochhaus und das Chronischkrankenhaus wurde verzichtet - kostet schliesslich doppelt so viel (300 Mio. Franken) und dauert doppelt so lange wie geplant. 1979 waren die neuen Gebäude bezugsbereit.

Das Bürgerspital wird zum Kantonsspital inklusive Spezialkliniken
Das Bürgerspital war der Bürgergemeinde bis 1972 unterstellt. Die genannten Spezialkliniken entstanden ausserhalb des Bürgerspitals, was keine inhaltliche Notwendigkeit darstellte, vielmehr von finanziellen Erwägungen getragen wurde. Seit 1973 untersteht es dem Sanitätsdepartement und wird Kantonsspital genannt.
Nun konnte die Integration der Spezialkliniken erfolgen, da finanziell alles unter einem Dach war. Per Regierungsratsbeschluss wurde 1973 die Neurologische Universitätsklinik samt Poliklinik sowie die Medizinische Universitätspoliklinik und das Institut für Pathologie der Direktion des Kantonsspitals unterstellt. 1974 wurde auch das Frauenspital ins Kantonsspital integriert.
Die Bürgergemeinde fasste ihrerseits die Rekonvaleszenzstation St.Chrischona, die Leimenklinik, die Milchsuppe inkl. Paraplegikerzentrum und Eingliederungsstätte sowie verschieden Altersheime als Institutionen des Bürgerspitals unter neuer Direktion zusammen.
Das Augenspital (Universitätsaugenklinik UAK) wurde 1997 administrativ dem Kantonsspital unterstellt 1994 wurde das frisch renovierte Klinikum 1 Ost eingeweiht. Im selben Jahr wurde auch der Kredit für die Sanierung des Westflügels gesprochen.
 

Inhalt und innere Ordnung:

Form und Inhalt:Die Bestandsbildung richtet sich nach den Angaben im Staatskalender 2001-2003.
 

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Eigentum des Staatsarchivs Basel-Stadt
Zugangsbestimmungen:Es gelten die allgemeinen Benutzungsbedingungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.
 

Sachverwandte Unterlagen:

Veröffentlichungen:Das Bürgerspital Basel 1260 bis 1946, Basel 1946

700 Jahre Bürgerspital Basel, Basel 1965

Spitalplanung in der Kostenklemme. Peter Steiner in: Basler Stadtbuch 1973, 94. Jg. Basel 1974

Der Basler Bürgerspitalskandal der 1960er Jahre. Liz.arbeit von Rémy Schmutz-Best, Basel 1995

Weitere Drucksachen wie Jahresberichte, Mitarbeiterinnenzeitschriften etc. siehe Drucksachensammlung des Staatsarchiv Basel-Stadt (Signatur DS A 183a).
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:13.09.2000
Revisionsdatum:28.02.2003
 

Deskriptoren

Einträge:  Kantonsspital Basel-Stadt (Personenbegriffe\)
  Bürgerspital Basel (Personenbegriffe\B)
  Universitätsspital Basel (Personenbegriffe\U)
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:Verwandte VE in scopeArchiv:
SD-REG 2 Universitäre Psychiatrische Kliniken (UPK) \ [bis 1898: Irrenanstalt; 1899-1960: Kantonale Heil- und Pflegeanstalt Friedmatt; bis 2005: Psychiatrische Universitätsklinik (PUK), 1893-2010 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
SD-REG 3 Felix Platter-Spital \ (bis November 1956: Hilfsspital), 1892-2000 (Fonds)

siehe auch:
KG 6 Universitäts-Frauenklinik, Gynäkologie, 1900-2008 (Bestand)

Verwandte VE in scopeArchiv:
SV-REG 4312 Bürgerspital, 1898-1956 (Bestand)

Verwandte VE in scopeArchiv:
Sanität Sanität, 15. Jh.-1972 (Bestand)

Nachfolger von:
Spitalarchiv Spitalarchiv, 12. Jh.-20. Jh. (Bestand)

siehe auch (1964-1987):
KG 1-10 Kantonsspital inkl. Frauenspital (Bestand)

siehe auch:
SD-REG 7 Frauenspital, 1881-2005 (Fonds)
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.2029
Erforderliche Bewilligung:Gemäss Archivgesetz BS
Physische Benützbarkeit:uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Oeffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=112513
 
Startseite|Bestellkorbkeine Einträge|Anmelden|de fr it en
Online Archivkatalog des Staatsarchivs Basel-Stadt