PA 981 Gewerkschaft Bau und Holz (GBH), Sektionen Basel, 1878-2000 (ca.) (Fonds)

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Identifikation:

Signatur:PA 981
Titel:Gewerkschaft Bau und Holz (GBH), Sektionen Basel
Entstehungszeitraum:1878 - approx. 2000
Verzeichnungsstufe:Fonds

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Link): Gewerkschaft Bau & Industrie GBI (Basel)
Aktenbildner/Provenienz (Text):Gewerkschaft Bau und Holz (GBH)
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Auf nationaler Ebene kennzeichnen folgende Eckdaten die organisationsgeschichtliche Entwicklung: 1886 wurde der Schweizerische Holzarbeiterverband (SHAV) gegründet. 1920 schlossen sich verschiedene Berufsverbände des Baugewerbes (Stein- und Tonarbeiter, Zimmerleute, Maler und Gipser, Maurer und Handlanger) zum Schweizerischen Bauarbeiter Verband (SBAV) zusammen. Schon zwei Jahre später fusionierten SHAV und SBAV zum Schweizerischen Bau- und Holzarbeiterverband (SBHV). Im Rahmen einer umfassenden Reorganisation im Jahr 1974 wurde der Name "Gewerkschaft Bau und Holz" (GBH) gewählt. 1993 erfolgte die Fusion mit der Gewerkschaft Textil, Chemie, Papier (GTCP) zur Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI).

Auf lokaler Ebene werden erstmals Mitte der 1870er Jahre moderne gewerkschaftliche Strukturen greifbar. Am 23. März 1874 wurde in Basel im Kaffee Bismark ein Schreinerfachverein gegründet, der sich nach kurzer Zeit wieder auflöste. 1878 konstituierte er sich dauerhaft. Rückblickend wurden diese beiden Jahre abwechslungsweise als Gründungsdatum der ersten Vorgängerorganisation der GBH Basel genannt. Über das Verhältnis zu älteren Handwerkerkorporation und Gesellenvereinen ist nur für die Basler Steinarbeiter näheres bekannt; besonders für das Holzgewerbe sind Verbindungen zu vermuten. Der Fachverein schloss sich noch 1878 dem (ersten) Arbeiterbund Basel sowie dem neu gegründeten Schweizerischen Schreiner-Verband an, 1888 auch dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Die Verbindungen zu den noch schwachen Zentralinstanzen blieben anfänglich aber lose, die lokale Ebene war in dieser subnationalen Phase der Gewerkschaftsbewegung weitgehend autonom.

Neben den Schreinern organisierten sich bald zahlreiche Berufe. In den 1890er Jahre bestanden in Basel im Bau- und Holzgewerbe Zusammenschlüsse folgender Berufe: Schreiner, Bauschreiner, Bürsten- und Pinselmacher, Anschläger, Maschinisten, Tapezierer, Bildhauer, Drechsler, Zimmerleute, Holzarbeiter, Maurer, Erdarbeiter, Hafner, Steinhauer, Pflästerer und Maler. Zudem bestand ein Verein der italienischen Maurer und eine "Holzarbeiterunion". Diese anfänglich zum Teil sehr kleinen Vereine fusionierten bis um 1900 zu fünf Verbänden: Holzarbeiter, Bauarbeiter, Maler und Gipser, Stein- und Tonarbeiter sowie Zimmerleute. 1901 wurde auf nationaler Ebene erstmals die Fusion zu einem alle Sparten umfassenden Verband diskutiert. Angesichts des Mitgliederschwunds zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Fusionsfrage ein zweites Mal aufgerollt. Aber erst 1920 fanden die vier letztgenannten Berufgruppen zum SBAV zusammen. 1922 folgten die Holzarbeiter, so dass der bis 1993 bestehende SBHV entstand, der sich ab 1974 GBH nannte.
Der Fusionsvertrag von 1922 hielt explizit fest, dass der Zusammenschluss der Zentralverbände nicht zwangsläufig die Zusammenlegung der Sektionen bewirke. Diese Klausel stellte in Basel (ähnlich wie auch in Zürich vor 1973) eine organisations- und überlieferungsgeschichtlich entscheidende Weiche: Bis 1924 fusionierten zwar die lokalen Verbände der Maler, Bauarbeiter, Holzarbeiter und Zimmerleute, und 1934 stiessen auch die Stein- und Ziegeleiarbeiter hinzu. Die Gipser blieben dem Zusammenschluss aber fern. Die lokale Gliederung des SBHV bzw. GBH ist daher von 1922 bis 1993 bestimmt durch die Spaltung in zwei Sektionen: die "Sektion Basel und Umgebung" (auch "Sektion Fusion" genannt) und die "Sektion Basel Gipser" (ab 1978 "Sektion Gipser und Plattenleger").

Zwischen beiden Sektionen entbrannten anfänglich heftige Konflikte um administrative Abläufe und Ressourcenverteilung. 1938 lehnte die Sektion Gipser, die einen vergleichsweise hohen Organisationsgrad aufwies, in mehreren Abstimmungen einen Zusammenschluss wiederholt ab, unter anderem weil finanzielle Mehrbelastungen sowie ein Verlust an Durchsetzungskraft und taktischer Eigenständigkeit in Arbeitskonflikten befürchtet wurde. Ebenfalls aus Kostengründen wurde die feste Sekretärsstelle der Sektion Gipser, die Anfang der 1930er Jahre im Volkshaus eingerichtete worden war, 1938 wieder in ein wanderndes Ehrenamt umgewandelt. Dies erklärt die disparatere Überlieferungslage der Sektion Gipser. Andererseits fallen die Sektion Basel und Umgebung und das fest eingerichtete Sekretariat überlieferungsgeschichtlich praktisch in eins, weshalb diese organisationsstrukturelle Unterscheidung kein primäres Ordnungskriterium für die archivarische Verzeichnung abgab. Zwischen den 1940er und 1960er Jahre verfügte die Sektion Gipser zumindest über eine feste Postadresse am Trillengässlein 2, seit Ende der 1960er Jahre an der Rebgasse 1. Zu den Folgen der organisatorischen Spaltung hinsichtlich Überlieferungsbildung und archivarischer Verzeichnung vgl. die Abschnitte Bestandsgeschichte auf Stufe Bestand. Von 1945 bis 1978 bildeten die Plattenleger zwischenzeitlich eine dritte Sektion, die sich 1978 der Sektion Gipser anschloss.

Über die Frühgeschichte der einzelnen Berufsverbände in Basel-Land ist wenig bekannt. 1917 verselbständigte sich die aus Liestal, Pratteln und Sissach bestehende Sektion des Schweizerischen Holzarbeiterverbands, die bis dahin als Zweigstelle zur Sektion Basel gehörte. Im Zusammenhang der Fusion von SHAV und SBAV beschloss die genannte Sektion in der Generalversammlung vom 5. August 1922 den Anschluss an die städtische Sektion. Fortan deckte die "Sektion Basel und Umgebung" durch ein Sekretariatsressort und mehrere Ortsgruppen das nähere Umland ab. Die Ortsgruppen waren zeitweise wenig dauerhaft; die Gruppe Liestal z.B. löste sich Mitte der 1920er Jahre auf und konstituierte sich im Juli 1929 neu. 1935 existierten Gruppen in Augst, Muttenz, Pratteln, Liestal, Sissach, Gelterkinden, Münchenstein-Arlesheim, Reinach, Aesch-Pfeffingen, Allschwil und Oberwil. 1950 schloss sich die bis dahin selbständige Sektion Laufen der Sektion Basel und Umgebung an. In Liestal führte die Sektion Basel und Umgebung in jüngerer Zeit ein Filialstelle ("Büro Liestal").

Inhalt und innere Ordnung:

Form und Inhalt:Form und Inhalt sind auf Stufe Bestand ausführlich beschrieben.

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Depositum
Zugangsbestimmungen:Es gelten die allgemeinen Benutzungsbestimmungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.

Sachverwandte Unterlagen:

Verwandtes Material:Vgl. die Bestände der Zentralinstanzen des GBH im Schweizerischen Sozialarchiv unter der Signatur SOZARCH Ar GBI.
Veröffentlichungen:Bolz, Robert: 50 Jahre Einheitsgewerkschaft, Schweizerischer Bau- und Holzarbeiterverband 1922-1972. Eine Jubiläumsschrift, Zürich 1972.

Burckhardt, Lukas: "Vom Budenrecht der Basler Steinhauer", in: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 49 (1953), S. 132-164.

Cueni, Philipp: Der Schweizerische Holzarbeiterverband (SHV) 1914-1922, Basel 1981.

Degen, Bernard: Gewerkschaft Bau und Holz (GBH), in: Historisches Lexikon der Schweiz (online-Publikation, www.hls.ch, 9.12.2011).

Degen, Bernard: Das Basel der andern. Geschichte der Basler Gewerkschaftsbewegung, Basel 1986.

Degen, Bernard et al. (Hg.): Vom Wert der Arbeit. Schweizer Gewerkschaften - Geschichte und Geschichten, Zürich 2006.

Fritschi, Jakob: Handbuch der Schweizerischen Arbeitnehmerverbände 1951, Zürich 1951, S. 369-405.

Koller, Christian: Streikkultur. Performanzen und Diskurse des Arbeitskampfes im schweizerisch-österreichischen Vergleich (1860-1950), Wien 2009, S. 331-342 (zum Basler Bau- und Holzarbeiterstreik 1923).

Lezzi, Otto: Zur Geschichte der Gewerkschaft Bau und Holz. Dargestellt auf dem Hintergrund der Schweizerischen Arbeiterbewegung, Zürich (1981).

Reichmann, Franz; Kolb, Robert; Schrader, Wilhelm; Graf, Emil: Bau- und Holzarbeiterverband der Schweiz, in: Fritz Heeb (Hg.), Der Schweizerische Gewerkschaftsbund 1880-1930, Bern 1930, S. 281-314.

Tschudi, Hans-Martin: Die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse durch die Sozialpartner des schweizerischen Baugewerbes. Dargestellt an der Entwicklung des Landesmantelvertrages für das schweizerische Hoch- und Tiefbau-, Zimmer-, Steinhauer- und Steinbruchgewerbe 1938-1976, Zürich 1979.

Zuberbühler, Max: 60 Jahre Einheitsgewerkschaft, 10 Jahre Industriegewerkschaft (GBH). Eine Jubiläumsschrift, Zürich / Lausanne 1982.

Der Grosskampf im Baseler Holz- und Zimmergewerbe 1923, hrsg. vom Bau- und Holzarbeiterverband der Schweiz, (Basel?) 1923.

Wie sie's treiben. Die Wahrheit über den Basler Holzarbeiterstreik des Jahres 1930, belegt nach Gerichtsakten (Schweizerischer Bau- und Holzarbeiterverband, Sektion Basel, Neutrales Gewerkschaftskartell Basel), Basel (1930).

61 Jahre Holzarbeiter-Gewerkschaft Basel 1874-1935, Basel 1935.

50 Jahre Sektion Gipser Basel SBHV, (Basel 1953).

Geschichte des Schweizerischen Bau- und Holzarbeiterverbandes 1873-1953, im Auftrag des Verbandes verf. von August Vuattolo, Zürich 1953-1956.

10 Jahre GBH-Sektion Basel Gipser und Plattenleger, (Basel 1988).

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:2/14/2012
 

Descriptors

Entries:  Gewerkschaft Bau und Holz (Personenbegriffe\G)
 

Related units of description

Related units of description:Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 716 Sozialdemokratische Partei Basel-Stadt, 1844-2016 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 716b Sozialdemokratische Partei Basel-Stadt, Zugänge ab 1991, 1867-2016 (Bestand)

siehe auch:
PA 1166 Lega di Resistenza Arte Tessile in Basilea; Federazione Muraria di lingua italiana in Svizzera Sez. Basilea, 1902-1919 (Bestand)

Vorgänger von:
PA 1195 Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI), Sektion Nordwestschweiz, 1966-2005 (Fonds)
 

Usage

End of term of protection:12/31/2030
Permission required:Gemäss Archivgesetz BS
Physical Usability:uneingeschränkt
Accessibility:Oeffentlich
 

URL for this unit of description

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=126026
 

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