PA 791 Archiv der Frauenzentrale Basel \ [1917-1926: Basler Frauenzentrale; 1927-1947: Frauenzentrale beider Basel], 1916-2006 (Fonds)

Archivplan-Kontext

 

Identifikation:

Signatur:PA 791
Titel:Archiv der Frauenzentrale Basel
[1917-1926: Basler Frauenzentrale; 1927-1947: Frauenzentrale beider Basel]
Entstehungszeitraum:1916 - 2006
Verzeichnungsstufe:Fonds
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Link): Frauenzentrale Basel (Basel)
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Frauenzentrale Basel (1916-2006)

Die Frauenzentrale Basel (FZ) wurde 1916/17 ins Leben gerufen. Sie wurde von 18 bürgerlichen Frauenvereinen mit dem Ziel gegründet, als parteipolitisch und konfessionell unabhängige Dachorganisation als Ansprechpartnerin gegenüber den Behörden die Interessen der Frauen wahrzunehmen. Sie verfasste Eingaben an Behörden, Vernehmlassungen zu Gesetzesentwürfen, stellte Frauen zur Wahl in staatliche und nicht-staatliche Kommissionen, organisierte Kurse und Vorträge, erstellte eine Dokumentation zu frauenspezifischen Themen und rief je nach Bedarf Spezialkommissionen ins Leben.

1921 schloss sich die FZ dem Bund Schweizerischer Frauenorganisationen (BSF) an. Eines der ersten Projekte der FZ war die Ausstellung "Arbeit und Frau", die in der Mustermesse stattfand und auf grosses öffentliches Interesse stiess.

Im Anschluss nahm die FZ ein Wohnbauprojekt in Angriff. An der Speiserstrasse 98 wurde 1929 das Haus "Zum neuen Singer" geplant und verwirklicht, welches auf die Bedürfnisse alleinstehender gebildeter und vor allem berufstätiger Frauen zugeschnitten war. Die Architekten Artaria & Schmidt (Paul Artaria (1892-1929) und Hans Schmidt (1893-1972)) konzipierten in Stahlskelettbauweise 22 vor allem 2-Zimmer-Wohnungen inkl. Bad und Küche sowie Gemeinschaftsräume. Für die erwerbstätigen Frauen wurde ein Mittagessen gekocht und sie konnten stundenweise eine Haushilfe engagieren. Das Haus gilt als Hauptwerk des Neuen Bauens und sorgte 1990 erneut für Aufsehen, als die exzellent gestaltete Fassade durch den Einbau von Kunststofffenstern massiv beeinträchtigt wurde.

Im Jahr 1932 war die FZ an der Gründung der Ehe- und Sexualberatungsstelle beteiligt, die ursprünglich u.a. zum Ziel hatte "erbbiologische und rassenhygienische Beratungen" anzubieten, aber zu grossen Teilen wegen ganz allgemeinen ehelichen Schwierigkeiten aufgesucht wurde. Die Stelle wurde 1966 in Eheberatungsstelle umbenannt und 1987 in die vom Staat subventionierte Familien- und Erziehungsberatung integriert.

Die FZ führte seit 1933 ferner Berufskurse für Anstaltsgehilfinnen bzw. Heimerzieherinnen durch. Ab 1961 nannte man sie Berufsschule für Heimerzieher und Heimerzieherinnen. Diese wurde 1970 vom Schulverein für soziale Berufe Basel übernommen.

Der Haushilfsdienst für Betagte wurde 1954 ins Leben gerufen. Aufgrund seines Anwachsens wurde er 1960 unter das Patronat der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige GGG gestellt und in eine selbständige Stiftung umgewandelt.

Die Budget-Beratungsstelle wurde1960 eröffnet. Sie wurde nach der Auflösung der FZ im Jahr 2006 an "plus minus", die Schuldenberatungsstelle von CMS und Caritas, übergeben.

Mit der Einführung des allgemeinen Stimm- und Wahlrechts ("Frauenstimmrecht") ergab sich für die FZ eine neue Lage, da eines ihrer wichtigen Anliegen mindestens auf dem Papier verwirklicht war. Die FZ führte nun staatsbürgerliche Kurse für Frauen durch und organisierte jeweils Treffen mit Basler Kandidatinnen für die Nationalratswahlen.

1975 organisierte die FZ den ersten Tag der Frau an der Muba (Mustermesse Basel).

Seit 1977 beschäftigte sie sich mit der Frage von Gewalt an Frauen und verfasste 1979 eine Broschüre dazu. Sie war mitbeteiligt am Aufbau des "Vereins Frauenhaus", der ein Haus für geschlagenen Frauen einrichtete.

Die Basler Frauenuntersuchung wurde 1979 durchgeführt und brachte das Ergebnis, dass nur knapp ein Drittel aller Frauen im Schema der Frau als Hausfrau und Mutter lebten.

Die FZ stand in einem Spannungsfeld zur neuen Frauenbewegung, unterstützte aber im wesentlichen viele ihrer Anliegen (Frauenbeiz, Frauenzentrum).

Ab 1981 bot die FZ unter dem Titel "Neuanfang im Beruf" Kurse für Wiedereinsteigerinnen an. Das Angebot wurde in den 90er Jahren von "Professionelle" übernommen und für die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft durchgeführt.
Seit den 1980er Jahren setzte sich die FZ für die Schaffung des Gleichstellungsbüros ein.

1984 übernahm sie im Zuge des Referendums gegen das neue Eherecht die Koordination des überparteilichen Komitees.

Nach der Verwirklichung der politischen Rechte für Frauen und im Zug der Polarisierung der Parteien in den 1980er Jahren geriet die FZ in eine Krise. Obwohl immer bürgerlich dominiert, gehörten ihr viele linke Organisationen und Einzelmitglieder an. Schon in den 1970er Jahren führte dies etwa an Hand der Vorlage Gleiche Rechte für Mann und Frau zu einer Zerreissprobe.1989 traten die Vereinigung für Frauenrechte, die SP-Frauenkommission und der Verein alleinerziehender Mütter und Väter aus der FZ aus. Die Gründe lagen in der Position der FZ zur Frage des Einbezugs der Frauen in die Gesamtverteidigung, der Mutterschaftsversicherung, der Abtreibungsfrage und nicht zuletzt in ihrer Haltung anlässlich des Rücktritts von Bundesrätin Elisabeth Kopp. Ende der 90er Jahre traten mit den SP-Frauen und der VPOD-Frauenkommission wieder zwei linke Organisationen der FZ bei. 2002 wurde mit Rosmarie Schümperli-Grether zum ersten Mal eine Vertreterin einer linken Organisation Präsidentin.

1991 gab sich die FZ neue Strukturen und passte die Statuten an. Das Präsidium wurde auf fünf Jahre beschränkt, die Ressorts wurden mit einer eigenen Leiterin versehen und nicht mehr von der Präsidentin geleitet. Im Weiteren Vorstand, wo die Mitgliederorganisationen vertreten waren, wurde neu eine Vertretung möglich.

1994 fand die erste Frauennetzwerktagung statt, sie wurde 1995 und 1997 wiederholt. 2002 wurde die Idee der Netzwerktagung wieder aufgenommen: Die FZ lancierte gemeinsam mit der Mitgliedorganisation BaFF (Basler Frauen Forum) eine dreiteilige Folge von Netzwerktagungen unter dem Titel "Entwickeln, Gestalten, Vernetzen". Die erste Tagung wurde mit ca. 50 Teilnehmerinnen im Rathaus durchgeführt, aber schon die zweite muss-te mangels Anmeldungen abgesagt werden.

Die FZ bestand aus einem Vorstand, in dem seit 1956 je eine Vertreterin der 35 angeschlossenen Vereine Einsitz nahm. Jährlich fand eine Delegierten- oder Jahresversammlung statt. Ein sogenannter Arbeits-Ausschuss, der aus dem Vorstand gebildet wurde, tagte ca. einmal im Monat. In Kommissionen wurden thematische Fragen diskutiert und verschiedene Angebote ausgearbeitet.

Folgende Kommissionen (Auswahl) existierten:
Kommission für Schul- und Erziehungsfragen (1937 bis 1990)
Kommission zum Studium von Konsumentenfragen / Kommission für Wirtschaftsfragen (seit 1939, ging 1966 in der Basler Konsumentenvereinigung auf)
Kinokommission (ca. ab 1942)
Konsultativkommission für Vernehmlassungen (seit 1976, wird nach der Auflösung der FZ als selbständige "Gruppe Vernehmlassungen der Basler Frauenorganisationen" weitergeführt.)

Die FZ wirtschaftete weitgehend mit den Mitgliederbeiträgen. Lediglich die Budgetberatungsstelle bekam jährlich einen Zuschuss vom Kanton. In den letzten drei Jahren übernahm die Handelskammer die Hälfte der Buchhaltungskosten.

Im Jahr 2006 löste sich die FZ auf. Es wurde immer schwieriger, Frauen für die Vorstandsarbeit zu gewinnen. Auch Veranstaltungen mussten immer öfter mangels Beteiligung abgesagt werden.
 

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Eigentum des Staatsarchivs Basel-Stadt (seit Auflösung der Frauenzentrale 2006)
Zugangsbestimmungen:Es gelten die allgemeinen Benutzungsbestimmungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.
 

Sachverwandte Unterlagen:

Verwandtes Material:Sammlung im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv, Basel
Unterlagen im Gosteli-Archiv, Worblaufen
Veröffentlichungen:Argast, Regula: Von Dörräpfeln und Netzwerken. 80 Jahre Frauenzentrale Basel 1916-1996, Basel 1997.

Mesmer, Beatrix: Ausgeklammert, eingeklammert. Frauen und Frauenorganisatinen in der Schweiz des 19. Jahrhunderts. Basel 1988.

Janner, Sara: Mögen sie Vereine bilden ... Frauen und Frauenvereine in Basel im 19. Jahrhundert. 173. Neujahrsblatt, Basel 1995.

Das ideale Heim Dezember 1929, Nummer 12, (betr. Das Haus "Zum neuen Singer").

Devecchi-Bertschmann Anna: Ausgewählte Kurzbiographien von sozial und politisch engagierten Basler Frauen. Basel 1977.
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:20.08.2001
Revisionsdatum:28.04.2006
 

Deskriptoren

Einträge:  Frauenzentrale Basel (Personenbegriffe\)
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:siehe unter:
PA 702 Liberale Partei Basel-Stadt, 1887-1972 (Fonds)

siehe unter:
PA 893 Archiv der Sektion Basel des Staatsbürgerlichen Verbandes Katholischer Schweizerinnen (STAKA), 1945-2008 (Fonds)

siehe auch:
PA 994 Archiv der Organisation für die Sache der Frauen (OFRA), Sektion Basel, 1975-1998 (Bestand)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 1100 Frauenliste Basel, 1991-2003 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 1130 Aufbauorganisation Frauenpartei AOF [später Aufbauorganisation feministische Partei], 1975-1987 (Fonds)

siehe auch:
PA 1160 Hausfrauen-Verein Basel und Umgebung, 1931-1990 (Bestand)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 716 Sozialdemokratische Partei Basel-Stadt, 1844-1985 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 933 Progressive Organisationen Basel (POB), 1968-1995 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 387 Freisinnig-Demokratische Partei Basel-Stadt, 1869-1995 (ca.) (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 947 Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) Basel-Stadt, 1870-1997 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 702 Liberale Partei Basel-Stadt, 1887-1972 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 908 Landesring der Unabhängigen, 1937-1996 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 936 Mary [Marie] Paravicini-Vogel (1912-2002) \ (siehe auch PA 945, Frauenstimmrechtsverein), 1919-2000 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 945 Vereinigung für das Frauenstimmrecht Basel und Umgebung (siehe auch PA 936), 1932-1973 (Bestand)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 882 Basler Frauenverein am Heuberg (ab 2011: familea), 1892-2009 (Fonds)

siehe auch:
PA 782 [leer] / Archiv des Schweizerischen Verbandes der Akademikerinnen, k.A. (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 674 Evangelische Volkspartei Basel-Stadt, 1919-1959 (Fonds)
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.2036
Erforderliche Bewilligung:Gemäss Archivgesetz BS
Physische Benützbarkeit:uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Oeffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=132552
 
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