PA 878 Archiv der Basler Höhenklinik Davos (bis 1971 "Basler Heilstätte für Brustkranke in Davos), 1896-1992 (Fonds)

Archivplan-Kontext

 

Identifikation:

Signatur:PA 878
Titel:Archiv der Basler Höhenklinik Davos (bis 1971 "Basler Heilstätte für Brustkranke in Davos)
Entstehungszeitraum:1896 - 1992
Verzeichnungsstufe:Fonds
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Link): Höhenklinik, Basler (Davos Dorf)
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Die Initiative zur Gründung eines für die arbeitende Bevölkerung und den Mittelstand von Basel-Stadt bestimmten Sanatoriums ging von einem relativ kleinen Kreis von Ärzten aus, die bei der Medizinischen Gesellschaft der Stadt Basel (vgl. PA 973) tätig waren. An erster Stelle stand das Engagement von Dr. Adolf Haegler-Gutzwiller (1830-1909) (vgl. PA 876 D). Am 13. Juni 1893 hielt er vor der obengenannten Gesellschaft ein Referat über die "Errichtung von Heilstätten für unbemittelte Schwindsüchtige in der Schweiz". In Folge dieses Vortrages beauftragte die Medizinische Gesellschaft Dr. Haegler-Gutzwiller, Dr. Theophil Lotz, Physikus (Kantonsarzt) der Stadt Basel, und Prof. Rudolf Massini, Direktor der allgemeinen Poliklinik, mit der Basler Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen (GGG) (vgl. PA 146) in Verbindung zu treten und die Errichtung einer Volksheilstätte voranzutreiben. Die Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen nahm den Vorschlag im September 1893 auf und berief eine "Commission zur Errichtung eines Sanatoriums für Brustkranke" ein. Durch die Gründung einer Volksheilstätte wollte man versuchen, die krassen Unterschiede in der Behandlung armer und reicher Tuberkulöser abzubauen.

Ursprünglich sollte die Heilstätte nicht im Hochgebirge, sondern im nahen Jura zu liegen kommen. Aber kein geeigneter Platz wurde gefunden und die Kommission strebte in der Folge die Errichtung des Sanatoriums im Hochgebirge an. Nach verschiedenen Reisen nach Davos, Arosa etc. entschied man sich für Davos. Die Realisierung des Projektes konnte beginnen. Anfang Mai des Jahres 1895 wurden die Bauarbeiten begonnen und am Ende des folgenden Jahres abgeschlossen: Am 14. Dezember 1896 konnten die ersten Kuranten aufgenommen werden. Die Heilstätte bot 85 Patientinnen und Patienten Platz.
Die Baukosten des Sanatoriums beliefen sich auf 557'000 Franken. An seiner Finanzierung beteiligten sich, zusammen mit der GGG und der Basler Bevölkerung, die Basellandschaftliche Gemeinnützige Gesellschaft und die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft.

Trägerin der Basler Heilstätte war die GGG. Die Leitung übernahm die von ihr gewählte, siebenköpfige "Kommission zur Basler Heilstätte für Brustkranke in Davos". Geführt wurde sie von einem ärztlichen Direktor, dem ein Stellvertreter und Assistenzärzte unterstellt waren. Das Rechnungswesen erledigte der Verwalter, während die Hausmutter respektive der Hausvater für das Funktionieren der Haushaltsführung verantwortlich war.

Von der "Kommission zur Basler Heilstätte für Brustkranke in Davos" ging die Initiative zur Gründung des "Basler Hilfsvereins für Brustkranke" aus. Er sollte in erster Linie die nötigen finanziellen Mittel zur Deckung des beim Betrieb der Heilstätte entstehenden Defizits beschaffen, dann aber auch für die Kranken sowie für ihre Angehörigen sorgen und Informationen über die Tuberkulose verbreiten.

1914 wurde die Heilstätte in eine Stiftung namens "Basler Heilstätte für Brustkranke in Davos-Dorf" überführt und somit auch in rechtlicher Hinsicht verselbständigt.

Mitte der 1940-er Jahre reichten die vorhandenen Betten zur Unterbringung der Basler Tuberkulose-Patienten nicht mehr aus. Um diesen zunehmenden Bettenbedarf zu bewältigen und eine bauliche Erweiterung der Heilstätte - wegen der hohen Kosten - zu vermeiden, entschloss sich die "Kommission zur Basler Heilstätte für Brustkranke in Davos" 1945 für die Erwerbung des Hauses "Castelmont" in Davos Dorf und für die dortige Einrichtung eines Filialbetriebs des Sanatoriums der Basler Heilstätte.

1950 bis 1952 wurde das Sanatorium trotz allem umgebaut und erweitert. Ausgebaut wurden die Heizzentrale, das Angestellten- und Verwalterhaus, der vierte Stock, das Dach (in ein Flachdach umgebaut), die Aufenthaltsräume, der Speisesaal, der Eingang und der Unterhaltungssaal.

Seit der Mitte der 1960-er Jahre begann man die Umstrukturierung der Klinik in ein Mehrzwecksanatorium zu thematisieren. Im Mai 1966 lag vom Eidgenössischen Gesundheitsamt die Bewilligung zur Führung einer nicht-TBC Abteilung vor.
Zwischen 1967 und 1971 wurde die Klinik umgestaltet. Dabei wurde auch der Bau eines neuen Schwesternhauses abgeschlossen.

1970 wurde die Klinik in das Privatspitalabkommen mit den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft aufgenommen. Damit erhielt sie regelmässig Beiträge an die nicht gedeckten Kosten der von diesen Kantonen zugewiesenen, allgemeinversicherten Patientinnen und Patienten der 3. Klasse.

1971 beschloss die Mitgliederversammlung der GGG, den Namen der Stiftung "Basler Heilstätte für Brustkranke in Davos Dorf" zu ändern in "Basler Höhenklinik in Davos Dorf".

In den 1980-er Jahren wurde dem Stiftungsrat bewusst, dass er den Komfort der Klinik verbessern musste, wenn er sie konkurrenzfähig halten wollte. Zudem hatte die Klinik Auflagen der Behörden, d.h. bestimmte Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit für Patienten und Personal, zu treffen.
Ein entsprechendes Umbauprojekt hätte rund 12 Mio. Franken gekostet. Die beiden Kantone hätten zusammen 4 Mio. Franken aufbringen müssen. Die beiden Kantone jedoch wollten die überbordenden Kosten des Gesundheitswesens eindämmen und waren nicht bereit, das Geld für das Sanatorium aufzubringen.
An ihrer Sitzung vom 8. August 1984 fasste deshalb die Verwaltungskommission den Beschluss, den Klinikbetrieb im Laufe des zweiten Halbjahres 1985 einzustellen.
Die Klinik wurde am 31. Oktober 1985 endgültig geschlossen.

Der gesamte Liegenschaftenbesitz wurde per 1. November 1985 an die Carlton AG, Davos, verkauft, die das Areal für Touristikzwecke zu nutzen gedachte.
 

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Eigentum des Staatsarchivs Basel-Stadt
Zugangsbestimmungen:Es gelten die allgemeinen Benutzungsbestimmungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.
 

Sachverwandte Unterlagen:

Verwandte VE nicht in scopeArchiv:Drucksachensammlung DS SB 281
Veröffentlichungen:G. & F. Kelterborn (Architekten), Die Basler Heilstätte für Brustkranke in Davos, Zürich 1897 (PA 878 A 3).
50 Jahre Basler Heilstätte für Lungenkranke in Davos (1896-1946), s.d. (PA 878 878 A 3).
Staehlin Walter, GGG Der Zeit voraus. Dem Staat voraus. Zur Zweihundertjahrfeier der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel, Basel 1977, S . 88-95 (Bq 1)
Rainer Borer, Der Kampf gegen die Tuberkolose in Basel 1882-1928, Liz. Arbeit, Basel 1990 (Quart. Conv. Nr. 1357).
Daniel Gredig, Tuberkolosefürsorge in der Schweiz, Bern-Stuttgart-Wien 1999, S. 93-118, 143-165, 171-260 (B 1417).
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:05.11.2001
Revisionsdatum:10.11.2003
 

Deskriptoren

Einträge:  Davos (Ortsbegriffe\)
  Basler Höhenklinik Davos (Personenbegriffe\B)
  Basler Heilstätte für Brustkranke in Davos (Personenbegriffe\B)
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 973 Archiv der Medizinischen Gesellschaft Basel, 1838-1995 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
Sanität L 5. Heilstätte für Brustkranke in Davos, Kindersanatorium, 1894-1935 (Serie)

Verwandte VE in scopeArchiv:
Sanität M 5. Kinder-Erholungsheime und Kinder-Heilstätten (Langenbruck, Farnsburg, Dürstel_...), 1903-1941 (Serie)

Verwandte VE in scopeArchiv:
Sanität Q 3.13 Tuberkulose, Tuberkulosestelle. Vitaminuntersuchungen, 1896-1938 (Serie)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 146a N 6 Basler Heilstätte für Brustkranke in Davos (Serie)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 876a D Adolf (1830-1909) und Stephanie (1832-1906) Haegler-Gutzwiller (Serie)
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.2022
Erforderliche Bewilligung:Gemäss Archivgesetz BS
Physische Benützbarkeit:uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Oeffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=136276
 
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