PA 925a Nachlass Paul Camenisch (1893-1970) und Martha Camenisch-Hoerler (1900-1985), 17. Jh.-2007 (Bestand)

Archivplan-Kontext

 

Identifikation:

Signatur:PA 925a
Titel:Nachlass Paul Camenisch (1893-1970) und Martha Camenisch-Hoerler (1900-1985)
Entstehungszeitraum:17. Jh. - 2007
Entstehungszeitraum Schwergewicht :ca. 1910 - ca. 1980
Verzeichnungsstufe:Bestand
Laufmeter:10,40
Archivalienart:Akte
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Text):Camenisch, Paul. Camenisch-Hörler, Martha.
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Paul Camenisch kommt am 7. November 1893 als zweiter Sohn des Kaufmanns Johannes Camenisch aus Flerden und Portein im bündnerischen Heinzenberg und der Maria Elisabeth geb. Bischoff, von Basel, in Zürich zur Welt. Er wächst bis zum Tod seines Vaters 1904 mit seinen zwei Brüdern Robert und Hans in Zürich auf. Nach dem frühen Tod ihres Mannes zieht die Mutter mit ihren drei Söhnen 1904 in ihre Heimatstadt Basel. Bis ins Jünglingsalter verbringen die drei Knaben ihre Ferien bei Verwandten in Flerden. Ein Onkel Pauls, Richard Camenisch (1837-1923), Anwalt in Chur und von 1895 bis 1904 Stadtpräsident, unterstützt die Ausbildung der drei Söhne finanziell.

1912 schliesst Paul Camenisch die Basler Obere Realschule mit der Maturität ab. Ab 1912 studiert er Architektur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule, u.a. bei den Professoren Karl Moser und Hans Bernoulli. Camenisch verlässt nach acht Semestern 1916 die ETH ohne Abschluss und arbeitet von 1916 bis 1918 als Bauführer und Bauzeichner in Ostpreussen, Berlin und Danzig. Zwischen 1918 und 1921 betätigt er sich auf verschiedenen schweizerischen Architekturbüros, u. a. bei seinem ehemaligen Lehrer Prof. Hans Bernoulli in Basel. Er beteiligt sich an Architektur-Wettbewerben, u. a. an demjenigen für die Neugestaltung des Friedhofs am Hörnli in Basel (1922/ 23) und gewinnt 1920 beim Wettbewerb für ein neues Basler Volkshaus den 2.Preis.

1921 entstehen die ersten aquarellierten Architekturlandschaften. 1923 geht er mit einem eidgenössischen Stipendium zunächst nach Ascona auf den Monte Verità, um 1924 in die Villa Loverciano in Castel San Pietro im Mendrisiotto umzuziehen. Dort drängen die Freunde Hermann Scherer und Albert Müller Camenisch zur Malerei, und er beginnt 1925 mit Zeichnungen und Aquarellen nach der Natur. In der Silvesternacht 1924/1925 gründen Paul Camenisch, Hermann Scherer und Albert Müller die Künstlervereinigung "Rot-Blau", zu der wenig später Werner Neuhaus stösst.

In der "Rot-Blau"-Ausstellung 1926 in der Kunsthalle Basel erwirbt Ernst Ludwig Kirchner Camenischs Porträt von Hermann Scherer, das er in der Folge dem Folkwang-Museum in Essen vermacht. Gleichzeitig lädt Kirchner Camenisch zu sich nach Davos-Frauenkirch ein, wo er, wie schon vor ihm Scherer und Müller, die Gelegenheit hat, neben dem Meister zu arbeiten (Juli bis Mitte September). Nach dem frühen Tod von Scherer und Müller gründet Camenisch mit Hans und Ernst (Coghuf) Stocker sowie Otto Staiger, Karl Hindenlang und Max Sulzbachner "Rot-Blau II". Ende 1930 siedelt Camenisch endgültig aus dem Tessin nach Basel über und wird nach der Auflösung von "Rot-Blau II" im Mai 1933 Mitbegründer der "Gruppe 33", einer Avantgarde- Künstlervereinigung, der sich in den folgenden Jahren fast 40 Maler, Bildhauer und Architekten anschliessen. Im gleichen Jahr verheiratet sich Paul Camenisch mit Martha Hörler, einer Zahnärztin aus Basel.

Neben seiner Malerei beschäftigt sich Paul Camenisch intensiv mit politischer Arbeit, zunächst in verschiedenen Hilfskomitees und in der Emigrantenhilfe, tatkräftig unterstützt von seiner Frau. 1944 ist er Gründungsmitglied der "Partei der Arbeit" und wird im gleichen Jahr in den Grossen Rat gewählt, in dem er sich vor allem bei kultur- und erziehungspolitischen Angelegenheiten engagiert. Wichtig ist seine Arbeit in der "Gesellschaft Schweiz-Sowjetunion", die er 1952 präsidiert. Als Mitglied von zwei Delegationen der "Gesellschaft Schweiz-Sowjetunion" reist Camenisch 1950/51 und 1953 in die Sowjetunion.
Von 1935 bis 1951 präsidiert er die "Gruppe 33", aus der er aus hauptsächlich politischen Gründen 1953 ausgeschlossen wird. Neben den vielen Ausstellungen der "Gruppe 33" in Basel und in anderen schweizerischen Städten präsentiert sich die Basler Vereinigung in Paris in der Galerie Kleber in einem internationalen Kontext. Nach der vorwiegend politisch bedingten künstlerischen und gesellschaftlichen Isolation Camenischs in den Fünfzigerjahren gelingt es ihm immerhin, 1959 seine Arbeiten in grösseren Einzelausstellungen im Musée de l'Athénée in Genf und 1962 in Prag zu präsentieren. Camenisch beteiligt sich noch an den Vorbereitungen zu einer umfassenden Werkschau im August/September 1970 in der Kunsthalle Basel, er stirbt jedoch am 13.Februar des gleichen Jahres.

Eine umfassende Ausstellung des Werkes von Camenisch veranstaltete 1985 das Bündner Kunstmuseum. Der Katalog zur Ausstellung "Paul Camenisch 1893-1970" (Chur 1985) vereinigt neben einer Vielzahl von Werkreproduktionen eine Anzahl interessanter Aufsätze verschiedener AutorInnen und vermittelt zusammen mit Martin Hellers Aufsatz in der zwei Jahre zuvor erschienenen umfassenden Publikation "Gruppe 33" (Basel 1983) einen Überblick über Camenischs Leben und Werk. Eine eigentliche Monographie über Paul Camenisch steht noch aus.
Zugänge:1 - 1993/00035 Hörler Felix (Frenkendorf) (keine Angabe)
1 - 2007/00020 Hörler Felix (Frenkendorf) (1925 (ca.)-1970)
1 - 2007/00035 Wick Oliver (Basel) (keine Angabe)
1 - 2009/00063 Bantle Ruedi (Basel) (1957)
Bestandsgeschichte:Die Unterlagen wurden dem Staatsarchiv 1993 bzw. 2007 abgeliefert. Das Material wurde bei der Erschliessung (Dr. Jürg Düblin) geordnet und in sinnvollen Serien zusammengestellt. Ein Teilbestand betreffend Paul Camenischs Tätigkeiten in der "Gesellschaft Schweiz - Sowjetunion" sowie weitere Materialien wurde von den Nachkommen Camenischs 1986 dem Schweizerischen Sozialarchiv in Zürich abgeliefert und sind dort zugänglich.
 

Inhalt und innere Ordnung:

Form und Inhalt:Der Bestand beinhaltet den schriftlichen Nachlass von Paul Camenisch und Martha Camenisch-Hörler. Er dokumentiert Camenischs Leben und Schaffen als politisch engagierter Künstler, seine Kontakte zu anderen Künstlerinnen und Künstlern, seine Mitgliedschaft in den Künstlervereinigungen "Rotblau" (PA 925a B 4-2-9 und B 4-2-10) und der "Gruppe 33" (PA 925a B 4-2-11), seine politischen Aktivitäten u. a. als Grossrat der Partei der Arbeit (PA 925a B 6) sowie unter PA 925a B 7-2 Pauls und Marthas Mitarbeit in verschiedenen Hilfskomitees (u. a. in der Centrale Sanitaire Suisse (CSS)), aber auch sein privates Leben und Umfeld, insbesondere seine Beziehung zu seiner Frau Martha Camenisch-Hörler (u. a. PA 925a B 5-2). Herausragend sind die 131 Skizzen- und Notizhefte (PA 925a B 4-2-3), die seine künstlerische Tätigkeit der Jahre 1925-1970 zusammen mit der umfassenden Sammlung von Werkfotografien und den hauptsächlich von Camenisch selbst hergestellten Werkverzeichnissen weitgehend lückenlos dokumentieren, sowie die Korrespondenz mit den Künstlern Ernst Ludwig Kirchner (PA 925a B 5-5 39) und Hermann Scherer (PA 925a B 5-5 62). Originalwerke von Camenisch sind nur in vereinzelten Skizzen und Zeichnungen vorhanden, doch bezeugt die umfassende Sammlung von Werkphotographien (PA 925a B 4-2-7) sein künstlerisches Schaffen.

Der Teilbestand betreffend Martha Camenisch-Hörler (PA 925a C) beinhaltet Unterlagen ihrer Vorfahren und Verwandten, darunter Geschäftsunterlagen zur Confiserie Hörler-Jundt an der Greifengasse 7 sowie Bücher zum Konditoren-Beruf, z. T. handschriftlich (Rezepte u. a.) 1829-1872 (und älter s.d.). Weiter dokumentiert die ausführliche Korrespondenz mit ihrer Mutter Martha Hörler-Jundt (PA 925a C 5-1 1) ihre Beziehung zueinander. Weitere Korrespondenzen zeigen Martha Camenischs eigenen Kontakte zu Persönlichkeiten aus Kunst und Politik (PA 925a C 5-3 und C 5-4). Sie beschlagen einen Zeitraum bis zu ihrem Tod 1985.
Bewertung und Kassation:Es wurden keine Kassationen vorgenommen.
 

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Eigentum des Staatsarchivs Basel-Stadt
Zugangsbestimmungen:Es gelten die allgemeinen Benutzungsbestimmungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.
 

Sachverwandte Unterlagen:

Verwandtes Material:Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich: Ar 23
Veröffentlichungen:- Heller, Martin. "Paul Camenisch" in Höflinger-Griesser, Yvonne und Mitautoren. Gruppe 33. Basel 1983, S. 227-240.
- Bündner Kunstmuseum Chur. Paul Camenisch 1893-1970. Olten 1985.
- Editions Galerie Specht, Carzaniga + Ueker. Paul Camenisch. Basel 1987.
- Kunstmuseum Bern. Expressionismus aus den Bergen - Ernst Ludwig Kirchner, Philipp Bauknecht, Jan Wiegers und die Gruppe Rot-Blau. Bern 2007.
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:11.04.2008
Revisionsdatum:21.09.2009
 

Behältnisse

Anzahl:4
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.2037
Erforderliche Bewilligung:Gemäss Archivgesetz BS
Physische Benützbarkeit:uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Oeffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=136684
 
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