PD-REG 14 Kontrollbüro: Einwohnerkontrolle, 1817-2003 (Fonds)

Archivplan-Kontext

 

Identifikation:

Signatur:PD-REG 14
Titel:Kontrollbüro: Einwohnerkontrolle
Entstehungszeitraum:1817 - 2003
Verzeichnungsstufe:Fonds
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Link): Bevölkerungsdienste und Migration (Basel)
Aktenbildner/Provenienz (Text):Kontrollbüro
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Das Kontrollbüro wurde mit dem Gesetz betreffend das Niederlassungs-, Aufenthalts- und Kontrollwesen vom 10. November 1884 geschaffen. Es löste die 1849 gebildete Niederlassungs-Commission ab, die direkt dem Kleinen Rath bzw. dem Regierungsrat unterstellt gewesen war. Das Kontrollbüro war stets beim Polizeidepartement, später Polizei- und Militärdepartement, angesiedelt. 1931 übernahm das Kontrollbüro auch die Funktion der Kantonalen Fremdenpolizeibehörde gemäss dem Bundesgesetz über den Aufenthalt und die Niederlassung von Ausländern vom 26. März 1931. 1997 wurde das Kontrollbüro umbenannt in Einwohnerdienste. Dieser Umbenennung war eine umfassende Strukturanalyse vorausgegangen, die zu einem neuen Leitbild und einer neuen Aufbauorganisation führte. Erklärter Wille des Kontrollbüros und des damaligen Departementsvorstehers war es, in Zukunft weniger verwaltungs- als viel mehr kundenorientiert tätig zu sein und die vielfältigen Dienstleistungen für die Einwohnerinnen und Einwohner in den Vordergrund zu rücken. Mit der Umbenennung des Polizei- und Militärdepartements in Sicherheitsdepartement per 1. Januar 2005 wurden auch die Einwohnerdienste ein weiteres Mal umbenannt; fortan waren sie unter der Bezeichnung 'Bereich Dienste des Sicherheitsdepartements' im Basler Staatskalender zu finden.

Die Grundlage für die erste Registrierung sämtlicher Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Basel wurde mit dem Niederlassungsgesetz vom 19. Juni 1816 bzw. mit dessen revidierten Fassung vom 7. Februar 1821 gelegt. Zum ersten und zugleich letzten Mal vereinigte dieses Gesetz alle einschlägigen Regelungen für Kantonsbürger und für Nichtbürger; ab 1848 wurden für Erstere eigenständige Verordnungen erlassen. Während sich die Kantonsbürger im ganzen Kantonsgebiet niederlassen konnten, erhielten die Schweizerbürger sowie die Franzosen nach vorhergegangener Untersuchung eine Aufenthaltsbewilligung mit einer Gültigkeitsdauer von sechs Jahren. Alle übrigen Ausländer mussten beim Kleinen Rath um eine individuelle, zeitlich befristete Aufenthaltsbewilligung nachsuchen. Die Kantonstrennung von 1833 hatte keinerlei Auswirkungen auf die Gesetzgebung, ausser dass Personen aus dem Grossherzogtum Baden und dem Königreich Württemberg den Schweizern und Franzosen gleichgestellt wurden.

Die neue Bundesverfassung von 1848, die die Niederlassungsfreiheit und die gleichen politischen Rechte für alle Schweizer stipulierte, führte 1849 zu einem neuen Gesetz, das fortan zwei Kategorien der Wohnsitznahme unterschied: Die Aufenthaltsbewilligung für Personen, die weder einen eigenen Haushalt führten bzw. ledig waren, die keinen Liegenschaftsbesitz im Kanton hatten oder die nicht selbstädig erwerbend waren. Die Aufenthaltsbewilligung war direkt an das Arbeitsverhätnis gekoppelt, für welches die Bewilligung erteilt wurde; bei jedem Stellenwechsel musste um eine neue Bewilligung ersucht werden. Die ürigen erhielten eine Niederlassungsbewilligung, welche jeweils vier Jahre gütig war. Als dritte Kategorie gab es die Interimsbewilligung mit einer Gültigkeitsdauer von vier Wochen; diese Bewilligung wurde denjenigen erteilt, die noch nicht alle für eine ordentliche Bewilligung erforderlichen Papiere beigebracht hatten. Eine Gesetzesrevision 1859 ermölichte es aus fiskalpolitischen Grüden auch ledigen Männern, eine Niederlassungsbewilligung zu erhalten.
Wiederum war es eine neue Bundesverfassung, die zu einer weiteren tiefgreifenden Revision führte. Die Bundesverfassung von 1874 erweiterte die Niederlassungsfreiheit in dem Sinne, als jeder Schweizer Bürger in jedem Kanton ein Recht auf die Erteilung der Niederlassungsbewilligung hatte. Artikel 47 stellte gar eine eidgenössische Regelung betreffend den Aufenthalt und die Niederlassung in Aussicht. Die Gesetzgebung wurde allerdings erst mit dem Gesetz betreffend das Niederlassungs-, Aufenthalts- und Kontrollwesen vom 10. November 1884, welches bis 1936 in Kraft blieb, angepasst. Es wurde zunächst dieselbe Meldepflicht für Bürger, Schweizer und Ausländer eingeführt: Die Anmeldung hatte innerhalb von acht Tagen zu erfolgen (für Hotelgäste und Personen, die bei Familienangehörigen untergebracht waren: zwei Monate). Diese erstreckte sich auch auf die Meldung von Logiswechsel und Wechsel des Arbeitgebers, was 1911 auf Wunsch der Landgemeinden auch auf Riehen und Bettingen ausgedehnt wurde. Eine Aufenthaltsbewilligung erhielten Minderjährige sowie Erwachsene mit einer Aufenthaltsdauer von bis zu einem Jahr. Alle übrigen erhielten eine Niederlassungsbewilligung. Besondere Regelungen galten für Studierende der Universität Basel, die spezielle, von den Universitätsbehörden ausgestellte Aufenthaltsbewilligungen erhielten. Die Interimsbewilligung konnte auf maximal sechs Monate ausgedehnt werden. Neben dem Kontrollbüro wurde neu auch eine Filiale im Kleinbasel eingerichtet (auf dem Polizeiposten Clara).

Mit dem Bundesgesetz über den Aufenthalt und die Niederlassung der Ausländer vom 26. März 1931 ging die Regelung der Aufenthalts- und Niederlassungsverhältnisse für Ausländer in die alleinige Kompetenz des Bundes über, was wiederum eine Anpassung der entsprechenden Gesetzgebung im Kanton nach sich zog. Ausser der Tatsache, dass für die ausländische Bevölkerung fortan das Bundesrecht galt, waren die wichtigsten Neuerungen eine verlängerte Anmeldefrist sowie die Einführung der Anmeldepflicht auch für Studierende der Universität. Zudem wurde zementiert, was faktisch schon längst in der Praxis Einzug gehalten hatte: Die Landgemeinden bzw. deren Gemeindekanzleien dienen als Vollzugsbehörden des Kontrollbüros und sind an die Weisungen des Polizeidepartements gebunden.
 

Inhalt und innere Ordnung:

Form und Inhalt:Die Register der Einwohnerkontrolle geben, unabhängig vom Status, über den gesamten Zeitraum detailliert Auskunft über die auf dem Kantonsgebiet wohnhafte Bevölkerung. Die Einträge enthalten folgende Angaben: Name, Vorname, Ehepartner, Kinder, Geburtsdaten (anfangs nur Geburtsjahr), Todesdaten (z.T.), Heimatort, Konfession (seit 1875), Beruf, Arbeitgeber, Wohnadresse, Datum der Aufenthalts- bzw. Niederlassungsbewilligung (Unterscheidung ab 1849), ggf. Datum der Einbürgerung, ggf. Datum des Wegzugs (NB: Die Angabe der Destination ist stets mit Vorsicht zu geniessen!). Später wurden beim Zuzug auch die Herkunftsorte vermerkt.

Eine grundsätzliche Schwierigkeit bei der Benutzung der Einwohnerkontrolle stellt die Tatsache dar, dass oft nur das Familienoberhaupt in den alphabetischen Hilfsregistern verzeichnet wurde; dies gilt in besonderem Masse für die Bürgerkontrolle. Die Einträge zu Ehefrau und Kindern ohne eigenen Haushalt sind grundsätzlich den Einträgen zum Ehemann bzw. Vater zu entnehmen. Während zudem ein Mann seine Nummer behält (sofern er nicht den Status ändert), wird eine Frau bei einer Scheidung oder Wiederverheiratung nach dem Tode des Ehegatten unter einer neuen Nummer weitergeführt, wobei die Hinweise auf frühere bzw. spätere Eintragungen in der Einwohnerkontrolle konsequent aufgeführt werden.

Eine letzte Schwierigkeit liegt in der uneinheitlichen Schreibweise von Familiennamen und Vornamen (Carl/Karl, Josef/Joseph). Im 19. Jahrhundert tragen die Kinder zudem drei oder mehr Vornamen, welche nicht immer lückenlos übertragen werden; auch ist oft nicht klar, welches der Rufname ist, unter welchem die Person im schliesslich registriert wird.
 

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Eigentum des Staatsarchivs Basel-Stadt
Zugangsbestimmungen:Es gelten die allgemeinen Benutzungsbestimmungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.
 

Sachverwandte Unterlagen:

Veröffentlichungen:René Lorenceau, Bâle de 1860 à 1920: croissances et mobilités urbaines, Tours 2001 (Dissertation an der Université Francois Rabelais)
Willy Pfister, Die Einbürgerung der Ausländer in der Stadt Basel im 19. Jahrhundert (Basler Bürgerbuch III), Basel 1976 (=Quellen und Forschungen zur Basler Geschichte 8)
Ratschlag 245 betreffend das Aufenthalts- und Niederlassungs-Wesen, dem Grossen Rate vorgelegt am 18. April 1859
Ratschlag 686 betreffend die Niederlassung und den Aufenthalt und das Kontrollwesen, dem Grossen Rate vorgelegt am 26. November 1883
Ratschlag 3415 zu einem Gesetz betreffend das Aufenthaltswesen und die polizeiliche Ausweisung, dem Grossen Rate vorgelegt am 8. März 1934
John Torpey, The Invention of the Passport: Surveillance, Citizenship and the State. Cambridge 2000.
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:20.10.2004
Revisionsdatum:24.05.2005
 

Deskriptoren

Einträge:  Einwohnerdienste (Personenbegriffe\)
  Kontrollbüro (Personenbegriffe\)
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:Verwandte VE in scopeArchiv:
PD-REG 3 Kontrollbüro/Kantonale Fremdenpolizei/Einwohnerdienste, Abteilung Internationale Kundschaft, 1900 (ca.)-2004 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
Niederlassung Niederlassung, 16. Jh.-1977 (Bestand)
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.2033
Erforderliche Bewilligung:Gemäss Archivgesetz BS
Physische Benützbarkeit:uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Oeffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=263297
 
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