Universitätsarchiv XII 34 Institut für spezielle Aspekte europäischer Geschichte und der internationalen Politik (ab 1991 auch: Institut für spezielle europäische Geschichte) (Serie)

Archivplan-Kontext

 

Identifikation:

Signatur:Universitätsarchiv XII 34
Titel:Institut für spezielle Aspekte europäischer Geschichte und der internationalen Politik (ab 1991 auch: Institut für spezielle europäische Geschichte)
Verzeichnungsstufe:Serie
Archivalienart:Akte
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Text):Institut für spezielle Aspekte europäischer Geschichte und der internationalen Politik
ab 1991 auch: Institut für spezielle europäische Geschichte
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Das Institut für spezielle Aspekte der europäischen Geschichte und der internationalen Politik" (im folgenden kurz Institut" genannt) entstand im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um den im April 1982 als Nachfolger von Prof. Dr. Herbert Luethy gewählten Ordinarius für Neuere Allgemeine Geschichte und Schweizergeschichte an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel (Fach Geschichte), PD Dr. Kurt L. Wehrle (1938-1994).
Im Anschluss an die Wahl durch den Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt, die von der Fakultät selbst abgelehnt worden war, war es zu deutlichen Parteinahmen für beziehungsweise gegen den neuen Ordinarius gekommen, die sich auch auf die Studentenschaft ausgedehnt und zu Protesten und Streiks der Studierenden geführt hatten. Hauptkritikpunkte waren vor allem seine wissenschaftliche Qualifikation und Kompetenz sowie sein wissenschaftlicher, methodischer Ansatz (Geistesgeschichte, epochenübergreifend-komparatistisch"; assoziierende Methode").

Anlässlich der Stellenbegehren des Historischen Seminars beauftragte die Koordinationskommission für Universitätsfragen im Frühjahr 1988 eine dazu eingerichtete Kommission am Historischen Seminar unter der Leitung von Prof. Jürgen von Ungern-Sternberg, Vorsteher des Seminars für Alte Geschichte, damit, ein Leitbild für die Geschichtswissenschaft an der Universität Basel" auszuarbeiten, so dass (personelle) strukturelle Änderungen in Kenntnis eines längerfristigen Entwicklungsplans für den Fachbereich Geschichte vorgenommen werden konnten. Dieses Leitbild" lag Ende 1988 vor.

Der Konflikt zwischen den Befürwortern und Gegnern Wehrles eskalierte im Wintersemester 1988/89, in dem Wehrle turnusgemäss am 1. Oktober 1988 geschäftsführender Vorsteher des Historischen Seminars wurde. Neben geschäftsinternen Konflikten hatte ein anlässlich dieser Amtsübernahme schriftlich geführtes Interview mit der GermanistInnen-Zeitschrift GeZetera" (November-Ausgabe) heftige Auseinandersetzungen zur Folge, die auch in den Medien ausgetragen wurden. Auslöser waren zum einen die Aussagen Wehrles über die Ziele und Leitbilder des Geschichtsstudiums, die sich nicht mit jenen des verabschiedeten Leitbildes" deckten (Sinnlosigkeit dieses Studiums); andererseits aber wurde in der öffentlichen Diskussion vor allem seine Antwort auf die Frage der Förderung aussereuropäischer Geschichte, insbesondere der Afrikanistik oder der Geschichte Indiens am Historischen Seminar, aufgegriffen (Fraglos - und unser neues Domizil der Zolli.").
Von den Befürwortern Wehrles als ironisch" bagatellisiert, war dies für die Gegner Ausdruck einer eurozentristischen, rassistischen Denkweise. Im Anschluss daran folgten Suspendierungsforderungen und erneute Proteste gegen Wehrle. Auf der anderen Seite organisierte die JES" (Junge europäische Schüler- und Studenteninitiative der Schweiz) eine Briefaktion zugunsten Wehrles, in der Bürgerinnen und Bürger aufgefordert wurden, den Psychoterror von links an der Hochschule" nicht zu dulden und Wehrle ihrer Sympathie zu versichern. Die Situation am Historischen Seminar wurde zunehmend schwieriger, die Kommunikation zwischen den beiden Parteien nahezu unmöglich. Ein im Januar unterbreiteter Vorschlag des Rektorates, das Historische Seminar in vier Abteilungen zu gliedern und diese jeweils administrativ zu verselbständigen, wurde jedoch als Lösung von der Kuratel, dem politischen Aufsichtsorgan der Universität, abgelehnt.
Der Regierungsrat beschloss im Maerz 1989 auf Empfehlung der Kuratel, Wehrle seiner Funktion als geschäftsführender Vorsteher zu entheben und interimistisch Heinz Rupp, emeritierter Ordinarius für Deutsche Philologie und ehemaliger Präsident der Koordinationskommission für Universitätsfragen, mit der Leitung zu beauftragen. Gleichzeitig wurde das Dekanat von der Kuratel beauftragt, eine unabhängige Untersuchungskommission (Historikerkommission") einzusetzen, die die Tätigkeiten des Historischen Seminars in den letzten Jahren durchleuchten und aufgrund der Resultate der Untersuchungen Vorschläge für eine zukünftige organisatorische, fachliche und personelle Struktur des Historischen Seminars vorlegen sollte. Diese schlug der Kuratel Ende 1989 zwei Lösungen vor, nämlich die vorzeitige Pensionierung Wehrles oder die Ausgliederung des Lehrstuhls aus dem Historischen Seminar. Eine Abwahl stand nicht zur Diskussion, da Wehrle vor der Einführung einer möglichen Amtszeitbeschränkung für Beamte (1984) gewählt worden war.
Im Oktober 1990 fiel der Entscheid der Regierung für die Ausgliederung des Lehrstuhls Wehrles aus dem Historischen Seminar, ohne dass dadurch das Historische Seminar personell oder finanziell Schmälerungen in Kauf zu nehmen hatte. Es kam zur Gründung eines personell an Wehrle gebundenen Instituts, das zwar der Fakultät angehörte, aber, auch finanziell, selbständig neben dem Historischen Seminar bestehen sollte. Das Statut des Lehrstuhls von Kurt Wehrle" (RRB vom 16.10.1990) regelte die Einzelheiten. Vor allem von basellandschaftlicher Seite wurde wegen der Kosten Kritik an diesem Beschluss geübt (parlamentarische Vorstösse).

Vorsteher des neuen Instituts wurde Prof. Wehrle. Das Institut, das sich - nach Konflikten mit den Behörden mit deren Zustimmung - ab 1991 mit verkürztem Namen Institut für (spezielle) europäische Geschichte" nannte, führte eine eigene Buchhaltung (einmaliger Ausstattungskredit, jährlicher Institutskredit) und verfügte über eine eigene Bibliothek sowie über eine Assistenz- und eine halbe Sekretariatsstelle (letztere wurde ab 1991 in eine halbe Assistenzstelle umgewandelt). Abgesehen vom normalen Lehrbetrieb war das Institut innerhalb des Fachs Geschichte auch zuständig für die MittelschullehrerInnen-Ausbildung (Geschichte als 3. Fach"). Historisches Seminar und Institut anerkannten gegenseitig ihre Prüfungen und Arbeiten. Die Räumlichkeiten hatte das Institut zunächst mit dem Historischen Seminar zu teilen. Nach einer Zwischenlösung im Basler Stadt-Casino (ab 1991) kam das Institut 1992 an die Missionsstrasse 64. Infolge des Todes von Kurt Wehrle 1994 wurde das Institut aufgelöst.

Basel, im Oktober 1998
Anna Carolina Strasky
Bestandsgeschichte:Das Aktenmaterial gelangte im Zuge der Räumung des 1994 aufgehobenen Instituts in einer Ablieferung 1996 (Ablieferung 1996/066) durch das Dekanat ins Staatsarchiv. Es stellt die einzigen von dieser Provenienzstelle selbst ueberlieferten Archivalien dar. Ein Verzeichnis war nicht vorhanden.
 

Inhalt und innere Ordnung:

Form und Inhalt:Die unter der Signatur Universitätsarchiv XII 34 zusammengefassten Archivalien beschlagen vorwiegend die Jahre zwischen 1989 und 1994; einzelne Dokumente gehen in die späten 1960er und 1970erJahre zurück.

Die Archivalien waren in grösstenteils beschrifteten und nach Sachgebieten gruppierten Ordnern abgelegt. Innerhalb dieser Ordner bestanden teilweise weitere Unterteilungen. Es war lediglich eine kleine Menge losen und ungeordneten Materials vorhanden. Diese Ordnungsstruktur wurde weitgehend übernommen.

Das Aktenmaterial scheint vorwiegend von dem/den Assistenten Wehrles, des (geschäftsführenden) Vorstehers des Historischen Seminars und späteren Institutsvorstehers, angelegt worden zu sein. Es handelt sich daher bei der Serie Korrespondenz" (vgl. die Signaturen XII 34 2b; 4) in vielen Fällen auch um Materialien betreffend die geschäftlichen Belange zwischen den Assistenten des Instituts und den Assistierenden des Historischen Seminars, unter anderem während der gemeinsamen Nutzung der Räumlichkeiten des Historischen Seminars (beispielsweise Absprechung der Präsenzzeiten) oder betreffend die Bibliotheksrevisionen. Ferner sind hier allgemeine Ankündigungen beispielsweise von (Gast-)Vorträgen an der Universität, allgemeine Informationsschreiben der Behörden (Erziehungsdepartement, Regenz, Historisches Seminar etc.) sowie Jahresberichte und Begehren des Instituts vorhanden.
Eigentliche Akten des Institutsvorstehers jedoch sowie Unterlagen zu den Arbeiten der Studierenden fehlen in diesem Bestand. Materialien zum Lehrbetrieb selber sind nur marginal vertreten, Vorlesungsskripte fehlen ganz.
Aufgrund der Beibehaltung der Ordnungsstruktur der Provenienzstelle waren Doppelüberlieferungen nicht zu vermeiden. Sie sind jedoch in Anbetracht der Aktenmenge von insgesamt einem Laufmeter verschmerzbar.
Bewertung und Kassation:Es wurden keine Akten kassiert.
Ordnung und Klassifikation:1 Allgemeines und Einzelnes
2 Aktenmaterialien zur (Vor-)Geschichte
Institutsbetrieb(l990-1994)
3 Institutsbetrieb: Finanzielles
4 Institutsbetrieb: Korrespondenzen
5 Institutsbetrieb: Bibliothek
6 Institutsbetrieb: Lehrbetrieb
7 Institutsbetrieb: (National-Fonds-)Stipendiengesuche
 

Sachverwandte Unterlagen:

Veröffentlichungen:- Unser Streik fuer Geschichte. Der Fall Wehrle bewegt Basel. Hrsg. v. der Fachgruppe Geschichte der Universitaet Basel. Basel 1982.
- Verwiesen sei hier zudem auf die Zusammenstellung verschiedener Schreiben, Regierungsratsbeschluesse, Protokolle, Zeitungsausschnitte etc. betreffend den Fall Wehrle" in der Dokumentation (UA XII 34, 2a).
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:siehe auch:
PA 985 F 18 Streik: Berufung von PD Dr. Kurt Wehrle (1938-1994) an die Philosophisch-Historische Fakultät, keine Angabe (Serie)
 

Benutzung

Erforderliche Bewilligung:Gemäss Archivgesetz BS
Physische Benützbarkeit:uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Oeffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=353403
 
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