PA 1144 WWF Region Basel, 1974 (ca.)-1995 (ca.) (Fonds)

Archive plan context


Identifikation:

Signatur:PA 1144
Titel:WWF Region Basel
Entstehungszeitraum:approx. 1974 - approx. 1995
Verzeichnungsstufe:Fonds

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Link): WWF Region Basel (Basel)
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:WWF International

Die Abkürzung WWF steht international für "World Wide Fund for Nature". In manchen Ländern steht sie für "World Wildlife Fund", wie etwa in der Schweiz, wo der WWF gegründet wurde.

Der britische Biologe Sir Julian Sorell Huxley, Mitbegründer der IUCN (Internationalen Konservationsunion) und erster Generaldirektor der UNESCO, entwickelte die Idee des WWF aus einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit heraus, in der es darum ging, wie die Natur besser zu schützen sei. Zusammen mit Max Nicholson, dem Generaldirektor der britischen Naturschutzbehörde, und Peter Scott gründete er am 11. September 1961 den WWF und wählte wegen des Kalten Krieges als neutralen Hauptsitz die Schweiz. Das Logo, der grosse Panda, ist ein Abbild der Pandabärin Chi Chi, die während der Gründung des WWFs im Londoner Zoo lebte. Im gleichen Jahr folgten Gründungen in Grossbritannien, weiteren Teilen der Schweiz und den USA. Es folgten Sektionen in Deutschland, Holland, Österreich und Südafrika. Nach und nach entstand ein weltweites Netzwerk aus 59 nationalen Sektionen, Programmbüros und Partnerorganisationen. Der Hauptsitz des WWF International befindet sich nach wie vor in der Schweiz, in Gland am Genfersee.

Die Ziele des WWF

Der WWF hat zum Ziel, die weltweite Naturzerstörung aufzuhalten und eine Zukunft zu gestalten, in der Mensch und Natur in Harmonie zusammen leben. Er setzt sich weltweit ein für:
- die Erhaltung der biologischen Vielfalt der Erde
- die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
- die Eindämmung von Umweltverschmutzung und schädlichem Konsumverhalten.

Dabei unterscheidet sich der WWF in seiner Arbeitsweise von anderen Umweltschutzorganisationen darin, dass er mehr auf klassische Lobbyarbeit, als auf öffentlichkeitswirksame Einzelaktionen setzt. Er betreibt "Ökosponsoring" in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen und damit finanzielle und personelle Unterstützung von grossen Schutzprojekten. Im Laufe der Jahre hat sich das Aufgabenspektrum ausgehend vom reinen Artenschutz zu allgemeinem Umweltschutz erweitert. Besonders gilt dies in Bezug auf den Kampf gegen den Treibhauseffekt.

Einige Daten zum WWF:
- Der WWF ist in über 100 Ländern aktiv.
- Weltweit wurden 300 Schutzgebiete ausgewiesen.
- 1.500.000 Quadratkilometer konnten weltweit in Nationalparks umgewandelt werden.
- 2004 wurden 2000 Projekte unterstützt.
- Seit 1961 wurden in 153 Ländern 12.000 Projekte unterstützt.
- 4400 Menschen arbeiten weltweit für den WWF.
- Weltweit fördern fast fünf Millionen Menschen den WWF.
362 Millionen Euro wurden 2005 weltweit in den Umweltschutz investiert.

Der WWF Sektion Basel

Am 27. November 1974 wurde der WWF Sektion Basel gegründet. Die Gründung erfolgte aus den Reihen des Basler Gewerbeverbands. Erster Präsident der Sektion war der Gewerbedirektor Dr. Eduard Frei. Anfangs waren die Projekte eher unpolitisch und klein, sie entsprachen damit dem damaligen Umweltschutzverständnis.

1979 macht der WWF Region Basel zusammen mit anderen Naturschutzorganisationen eine Spendensammlung, die rund 18'000 Franken für das bedrohte Auengebiet "Petite Camargue alsacienne" erbrachte. Ein Jahr später beteiligte sich der WWF mit 50'000 Franken bei der Gartenbauausstellung Grün 80 an der Rückgestaltung einer Birsschotter-Hangkante zu einem sonnigen Trockenbiotop.

1982 setze der WWF Region Basel einen Abstimmungskampf zur Unterschutzstellung des Bäumlihofareals durch. 1994 musste der WWF jedoch eine Initiative zur Verhinderung einer Teilüberbauung lancieren. Sie konnte im Jahr 2000 zurückgezogen werden, nachdem die Regierung die Freihaltung des Areals bis mindestens ins Jahr 2012 zugesichert hatte.
1986 wurde an der Missionsstrasse 17 ein WWF-Laden eröffnet. Ziel ist es, mit dem Geld der ökologisch fair gehandelten Waren regionale Umweltschutzprojekte zu unterstützen. Ein Jahr danach folgte ein Biomarkt in der Innenstadt. Er war als umweltfreundliche Antwort auf die Sandoz-Katastrophe von 1986 gedacht, bei der etliche Tonnen Landwirtschaftsgifte in die Umwelt gelangt waren.

1988 wurde in Basel eine kantonale WWF-Regionalstelle eingerichtet, getreu nach dem Motto "Global denken, lokal handeln", und aus der Erkenntnis heraus, dass auf kantonaler Ebene oft mehr Erfolg im Umweltschutz zu verzeichnen ist als auf eidgenössischer. Der WWF machte Furore, weil er vom Verbandsbeschwerderecht regen Gebrauch machte. Rekurse gegen den Sondermüllofen und das Biotechnikum der Ciba-Geigy, gegen die Nordtangente und viele andere Grossprojekte wurden eingereicht.

In den 90er-Jahren verlor der WWF in zahlreichen Abstimmungen und Verfahren zu Strassenbauprojekten (J18, J2, Umfahrung Sissach, Nordtangente u.a.). Weil der Kanton Basel-Stadt als einziger noch über kein Naturschutzgesetz verfügte, setzt sich der WWF zusammen mit zwei anderen Organisationen dafür ein und lancierte die "Volksinitiative für einen wirksamen Naturschutz". Der Gegenvorschlag des Grossen Rats, das Gesetz für einen wirkungsvollen Natur- und Landschaftsschutz, wurde 1995 angenommen.

Einen Höhepunkt der WWF-Arbeit in Basel bildete 1994 eine Modenschau zum Thema "Abfallvermeidung durch abfallarme regionale Güter". Prominente liefen vor grossem Publikum in Secondhand-Kleidern im Baselbieter Kantonsmuseum über den Laufsteg.

1998 gewann der WWF ein Verfahren vor dem Baselbieter Verwaltungsgericht, das sich gegen das Projekt richtete, auf der vorderen Wasserfalle das Hotel auszubauen und sieben weitere Häuser inmitten der geschützten Juralandschaft zu errichten.

1999 feierte der WWF sein 25-jähriges Bestehen. Als Dank schenkte er der Stadt Basel eine Linde und pflanzte sie 2003 vor der Hauptpost.

Ab 2001 wurden auf fünf Versuchsflächen in Zusammenarbeit mit Landwirten und einer Forschungseinrichtung über 100 Bäume neuer Bio-Hochstammkirschen gepflanzt. Ziel ist es zu untersuchen, ob mit neuen, robusteren und schüttelbaren Kirschensorten der Anbau nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich rentabel sein kann.

2002 wurde die Kindergruppe "Grüne Käfer" ins Leben gerufen. Diese bietet regelmässig Naturerlebnisse an.

Mit anderen Organisationen lancierte der WWF 2002 die Gewässerschutzinitiative Baselland, die jedoch zurückgezogen wurde, als das kantonale Wasserbaugesetz revidiert wurde.

Zwischen 1945-1961 wurden 30'000 Tonnen Chemiemüll in ausgebeuteten Kiesgruben deponiert. Untersuchungen und Sanierungen verzögerten sich. WWF und Greenpeace arbeiteten in diesem Projekt zusammen und konnten zunächst den Untersuchungsprozess in Muttenz beschleunigen.

2003: Der WWF und Quartierbewohner erarbeiteten das Projekt "Naturpark Allschwiler Weiher". Ziel ist es, das wichtige Erholungs- und Naturgebiet zwischen dem Allschwiler Weiher und dem Allschwiler Wald zu einem Naturpark aufzuwerten. Ebenfalls sammelte man Unterschriften gegen den Golfplatz im Landschaftspark Mattfeld (D). Der Golgplatz sollte in eine Landschaftsschutzzone gebaut werden, doch wegen des heftigen Protests wurde das Projekt zurückgezogen. Die Entwicklung einer Machbarkeitsstudie wurde in Auftrag gegeben, um auf die Revision des Natur- und Heimatschutzgesetzes aufmerksam zu machen. Mit dem revidierten Gesetz soll es möglich werden, regionale Naturparks zu gründen.
2004 forderte man die Betreiber von Bussen des öffentlichen Verkehrs auf, diese mit Russfiltern auszustatten, um die Luftreinhalteverordnung besser einhalten zu können. In einer Studie wurden die Möglichkeiten des Kantons Basel-Stadt geprüft, seinen Spielraum für bessere Luft und zum Klimaschutz mittels marktwirtschaftlicher Instrumente zu nutzen.

Als Verein mit rund 17'000 Mitgliedern wird der WWF Region Basel von einem ehrenamtlichen Vorstand geleitet. Aktuell ist die Biologin und Landrätin des Kantons Basel-Landschaft, Jacqueline Halder, Präsidentin des WWF Basel.

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Eigentum des Staatsarchivs Basel-Stadt
Zugangsbestimmungen:Es gelten die allgemeinen Benutzungsbestimmungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.

Sachverwandte Unterlagen:

Veröffentlichungen:Homepage der WWF Sektion Basel: www.wwf-bs.ch

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/WWF

Groth, Klaus-Henning: Das grosse Buch des WWF: 40 Jahre Naturschutz für und mit den Menschen, Tecklenborg Verlag, 2003

Wiederkehr, Roland [et al.]: Der WWF: warum es den WWF braucht: was er ist: was er schon erreicht hat und was er noch erreichen möchte: wie er dabei vorgeht und warum er ihre Unterstützung nötig hat, Zürich, 1980

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:4/3/2007
 

Descriptors

Entries:  World Wildlife Fund (Region Basel) (Personenbegriffe\W)
 

Related units of description

Related units of description:siehe auch:
BD-REG 8 Gewässerschutzamt, 1933-1988 (Fonds)

siehe auch:
BD-REG 10 Amt für Umwelt und Energie (AUE), 1916-1996 (Fonds)

siehe auch:
BD-REG 13 Lufthygieneamt beider Basel, 1885-1986 (Fonds)

siehe auch:
PA 716 Sozialdemokratische Partei Basel-Stadt, 1844-2016 (Fonds)

siehe auch:
PA 924 Pro Natura \ (bis April 1997: Schweizerischer Bund für Naturschutz (SBN)), 1900-2010 (Fonds)
 

Usage

End of term of protection:12/31/2025
Permission required:Gemäss Archivgesetz BS
Physical Usability:uneingeschränkt
Accessibility:Oeffentlich
 

URL for this unit of description

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=512956
 

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