ED-REG 15 Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium (MNG), 1888-2000 (Fonds)

Archivplan-Kontext

 

Identifikation:

Signatur:ED-REG 15
Titel:Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium (MNG)
Entstehungszeitraum:1888 - 2000
Verzeichnungsstufe:Fonds
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Link): Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium (Basel)
Aktenbildner/Provenienz (Text):Untere Realschule, Obere Realschule, Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Vorgeschichte

Seit 1852 wurden am Gymnasium die Realisten von den Humanisten getrennt. Bereits 1835 war ein Realpädagogium entstanden, das nun als Gewerbeschule geführte wurde. Die Gewerbeschule war die Oberstufe des eigenständigen Realgymnasiums. Nach 1880 wurde diese Schule Obere Realschule (1880-1930) genannt (die heute noch bestehende Allgemeine Gewerbeschule wurde 1886 gegründet.) Die Unterstufe hiess Untere Realschule. Beide gehörten zur gymnasialen Ausbildung und sind nicht zu verwechseln mit der Realschule, die 1930 gegründet wurde und eine Sekundarschule ist. Namhafte Rektoren der Gewerbeschule bzw. Oberen Realschule waren Prof. Dr. Hermann Kinkelin (1832-1913), der das Amt zwischen 1866-1869 sowie 1875-1903 innehatte und Dr. Robert Flatt (1863-1955), der das Amt von 1903 bis 1924 ausübte.

Das Schulsystem des Kantons Basel-Stadt erfuhr 1929 einen markanten Umbau. Die Volksschule (Sekundarschule) und die Bürgerschule (Gymnasium) wurden ergänzt durch die Realschule. Das Gymnasium, bis anhin existierte ausschliesslich das Humanistische Gymnasium (seit 1929 Typus A), wurde 1930 erweitert durch das Mädchengymnasium, das Realgymnasium (Typus B) und das Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasium (Typus C). Daneben existierte im Bereich der höheren Schulen die Kantonale Handelsschule, die als Anschluss an das achte Schuljahr besucht werden konnte (das 9. Schuljahr wurde 1969/70 obligatorisch).

Das Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasium (MNG)

Das 1930 gegründete MNG setzte sich zum Ziel, auf ein Studium an der Eidgenössischen Technischen Hochschule oder an einer Universität vorzubereiten. Man verzichtete auf Latein und vertiefte die Arbeit in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen und der Muttersprache. Es sollte aber auch zukünftigen Studierenden der Jurisprudenz und der Medizin inkl. Pharmazie offen stehen. Diese mussten sich aber den Zugang zum entsprechenden Hochschulstudium mit einer Ergänzungsprüfung in Latein erschliessen.

Das MNG begann mit seinem ersten Rektor Prof. Dr. Paul Buchner (1892-1978), seinen Unterricht mit 683 Schülern und 25 Klassen. Zu Beginn waren 60 Lehrer und Vikare angestellt, doch deren Zahl sank innerhalb eines Jahres auf 45, da die Anzahl der Klassen stark zurück ging.

Neben den obligatorischen Fächern Mathematik, Physik, Deutsch, Chemie, Geschichte, Turnen, Geographie, Französisch, Naturgeschichte, Englisch, Astronomie, Algebra, Geometrisches Zeichnen, Darstellende Geometrie, Musik, Zeichnen und Werken, wurde eine Reihe Fakultativfächer angeboten. Die Fakultativfächer umfassten Französische und Englische Konversation, Italienisch, Lateinisch, Philosophie, Chemie und Physik Praktika, Informatik, Musik (Elite Chor und Collegium Musicum, Orchester der drei Knabengymnasien), Zeichnen, Stenographie und Kunst.

Das Schulhaus des MNG war 1900-1903 als DeWette-Schulhaus für die Vorläuferschule, die Obere Realschule, erbaut worden. Das Gebäude umfasste bei seiner Einweihung 30 Klassenzimmer für rund 900 Schüler, zwei Zeichnungssäle mit Modellkammern, sechs Lehrsäle mit Nebenräumen und Laboratorien für den Unterricht in Physik, Chemie und Naturgeschichte, die Aula, Lehrerzimmer, Räume für den Werkunterricht, eine Turnhalle und einen kleinen Schulgarten. Das MNG war ab 1941 im Schulhaus konzentriert. Vorher waren die Klassen auf das Humanistische Gymnasium auf dem Münsterplatz (1. Klassen), das Realgymnasium an der Rittergasse (2.-4. Klassen) und das DeWette-Schulhaus (5.-8. Klasse) verteilt. Den Zusammenzug ermöglichte der Wegzug der Kantonalen Handelsschule.
In den 1950er Jahren stiegen auch am MNG die Schülerzahlen stark an, zwischen 1954 und 1959 in der Unterstufe von 324 auf 591, in der Oberstufe von 165 auf 239. Die Anzahl Klassen wurde von 18 auf 26 erhöht. Da das Schulhaus die Klassen nicht mehr zu fassen vermochte, wurde ein Erweiterungsbau geplant, der 1958 bewilligt wurde.
Rektor Buchner wurde 1957 von Dr. Paul Bächtiger (1906-1988) abgelöst, der das Rektorat nach vier Jahren 1961 an Dr. Willi Wenk (1914-1994) weitergab. Wenk war von 1961-1975 Rektor am MNG, gleichzeitig war er Grossrat und später Ständerat.

Als Besonderheit kann die Aufnahme von politischen Flüchtlingen aus Ungarn nach dem Aufstand von 1956 genannt werden und diejenigen aus der damaligen Tschechoslowakei im Zuge des Prager Frühlings 1960.

Auf Gymnasialstufe wurde ab den Eintrittsjahrgängen 1968 die Koedukation praktiziert. Am MNG hatte jedoch bereits 1964 das erste Mädchen die Matura absolviert, seit 1961 wurden Mädchen am MNG unterrichtet.
1968 bildete noch einen anderen Meilenstein: Typus C wurde für die Studien zukünftiger Medizinalpersonen (Ärzte, Zahn- und Tierärzte, Apotheker) anerkannt. Damit fand eine 100jährige Auseinandersetzung zur Frage der lateinlosen Gymnasialbildung ihr Ende.

Ein Rückgang der Schülerzahl ´ergab sich 1959 durch ein Abkommen mit dem Kanton Basel-Landschaft , das den Zugang für Schülerinnen und Schülern des Baselbiets zur gymnasialen Unterstufe in der Stadt verhinderte. In der Oberstufe reduzierte sich die Zahl nach der Errichtung der Gymnasien in Liestal und Münchenstein. Jedoch herrschte bereits in den 1970er Jahren wieder akute Raumnot, da die Schülerinnen- und Schülerzahl auf über 800 gewachsen war.

Eine Bereicherung des Lehrplans brachte im Herbst 1971 die Einführung der obligatorischen Wahlfachkurse auf der 7. und 8. Klassenstufe. Eine Ergänzung zum Schulbetrieb bilden die fakultativen zweiwöchigen Schulkolonien, die seit den 1930er Jahren regelmässig mit einzelnen Klassen durchgeführt werden. Dort wird teilweise der reguläre Unterricht fortgesetzt, jedoch liegt der Schwerpunkt auf Gruppenarbeit und der Beschäftigung mit den politischen und wirtschaftlichen Problemen der bäuerlichen Gemeinden.

Der neue Rektor Dr. Rolf Hartmann (1928-2002) führte 1975 die Rektoratskonferenz ein. Sie setzte sich zusammen aus den beiden Konrektoren, dem Präsidenten der Lehrerkonferenz und deren Vertreter in der Inspektion, dem Beauftragten für Pensum und Planung, dem Präsidenten der Fachkonferenz Turnen und Sport und der Schulsekretärin. Die Konferenz funktioniert als Beratungs- und Koordinationsorgan zwischen den Fachgruppen und dem Rektorat und bildet eine Verbindung zwischen Inspektion, Lehrerkollegium, Rektorat und Sekretariat.

Zwischen 1988 und 1997 hatte Emil Alber (1939) das Rektorat des MNG inne. Er führte es bis zu dessen Umwandlung ins Gymnasium Kirschgarten.
Gesellschaft ehemaliger Schüler des MNG

Die Gesellschaft wurde 1903 an der Schulanstalt für eine lateinlose Matur (ab 1953 Gewerbeschule, ab 1880 Obere Realschule genannt) gegründet. Der Zweck bestand in der Unterstützung minderbemittelter Schüler durch Beiträge an Lehrmittel und die Kosten von Klassenreisen, die Beihilfe bei der Plazierung vonSchülern bei Stellensuche und die Abhaltung jährlicher Zusammenkünfte. Er wurde später ergänzt durch die Gewährung von Beiträgen an Institutionen, die den Schulzweck fördern oder zum Wohle der Schüler dienen.

Die Finanzierung erfolgte über die Mitgliederbeiträge und Legate. Zwischen 1903 und 1980 konnten über 100'000 Franken sinnvoll eingesetzt werden.

Stiftung für Schülerauslandreisen zu Bildungszwecken Basel (Josi Meier-Stiftung)
 

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Eigentum des Staatsarchivs Basel-Stadt
Zugangsbestimmungen:Es gelten die allgemeinen Benutzungsbestimmungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.
 

Sachverwandte Unterlagen:

Veröffentlichungen:50 Jahre MNG Mathematisch-Naturwissenschafltiches Gymnasium Basel 1930-1980, Basel 1980

Hundert Jahre lateinlose Maturitätsschule in Basel (1853-1953). Grieder Fritz, Basel 1953
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:11.11.2003
Revisionsdatum:28.01.2004
 

Deskriptoren

Einträge:  Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium (Personenbegriffe\)
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:Verwandte VE in scopeArchiv:
ED-REG 18a Unterlagen von Schul-Inspektionen bis zum Ende der Umsetzung der Schulreform 1997, 1930-1997 (Bestand)

Verwandte VE in scopeArchiv:
Protokolle T 47 Inspektion des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums, 1930-1997 (Serie)

Verwandte VE in scopeArchiv:
Protokolle T 48 Lehrerkonferenz des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums, 1930-1997 (Serie)

siehe auch:
PA 301 Nachlass Dr. Gustav Steiner (1878 - 1967), 1906-1993 (Fonds)

Verwandte VE in scopeArchiv:
Erziehung BBB Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium (Serie)

Vorgänger von:
ED-REG 53 Gymnasium Kirschgarten, 1931-2013 (Fonds)
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.2030
Erforderliche Bewilligung:Gemäss Archivgesetz BS
Physische Benützbarkeit:uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Oeffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=79881
 
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