PD-REG 4 Kantonspolizei [bis 1975 Polizeiinspektorat, bis 1991 Polizeikommando]: Kommando und Zentrale Dienste, 1904-1999 (Fonds)

Archivplan-Kontext

 

Identifikation:

Signatur:PD-REG 4
Titel:Kantonspolizei [bis 1975 Polizeiinspektorat, bis 1991 Polizeikommando]: Kommando und Zentrale Dienste
Entstehungszeitraum:1904 - 1999
Verzeichnungsstufe:Fonds
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Link): Kantonspolizei Basel-Stadt (Basel)
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Die Struktur des Polizeidepartements, ab 1978 Polizei- und Militärdepartement

1978 wurde die Militärverwaltung, die Feuerwehr (früher Löschwesen) und das Amt für Gesamtverteidigung ins Polizeidepartement integriert und dieses zum Polizei- und Militärdepartement umbenannt. Vorher unterstanden die genannten Dienststellen dem Militärdirektor. Dieses Amt war an einen der sieben Regierungsräte gebunden, zeitweise an denjenigen, der das Polizeidepartement leitete.

Das Polizeidepartement setzte sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts aus folgenden Abteilungen zusammen:
Abteilung für Administrativsachen (Administrativabteilung),
Abteilung für Strafsachen (bis 1931),
Abteilung für das Kontrollwesen (Kontrollbureau),
Polizeiinspektorat (später Kantonspolizei Basel-Stadt)
Mass und Gewicht
Gerichtsarzt (später Gerichtlich-Medizinisches Institut)

Diese Zusammensetzung bzw. Aufgaben blieben erhalten, die Grundstruktur erfuhr höchstens Modifikationen.

Die Verkehrkommission wurde 1934 ins Leben gerufen, die Zensurkommission für Jugendvorstellungen der Kinematographentheater (später Filmkommission) 1935 und die Luftschutzkommission 1936. Die Wirtprüfungskommission entstand 1937. Die Politische Abteilung (später Spezialdienst) wurde 1936 geschaffen. 1968 wurde die Fachkommission für das Taxiwesen eingesetzt.

Die Besonderheiten der Kantonspolizei Basel-Stadt

Die Kantonspolizei Basel-Stadt hat aufgrund der besonderen Verwaltungsstruktur des Stadt-Kantons mit zwei Landgemeinden, Polizeiaufgaben der Einwohnergemeinde Basel sowie der Gemeinden Riehen und Bettingen wahrzunehmen, sie ist daher Gemeinde- und Kantonspolizei in einem. Zudem hat sie wegen der Grenzlage grenzpolizeiliche Aufgaben zu erfüllen. Die Polizeidichte des Kantons ist vergleichsweise hoch (1 Polizeibeamter auf 268 Einwohner, ganze Schweiz: 1:482). Dies ist auf die städtischen Verhältnisse, die Zentrumsfunktion und die Grenzlage zurückzuführen. Allein die grenzpolizeilichen Aufgaben auf dem Flughafen Basel-Mulhouse sowie den beiden Bahnhöfen mit internationalen Zügen erfordern rund 30 Polizeibeamte.

Eine weitere Besonderheit der Basler Polizeiorganisation ist, dass die Kriminalpolizei seit den 1930er Jahren zwar aus Beamten des Polizeikorps besteht, fachlich und einsatzmässig aber der Staatsanwaltschaft untersteht. Leiter der Kriminalpolizei ist nicht wie in anderen Kantonen ein Polizeioffizier sondern der Chef des Kriminalkommissariats, ein Leitender Staatsanwalt. Zwar obliegt es der Polizei, die ersten Massnahmen am Tatort durchzuführen, das Ermittlungsverfahren ist aber Sache der Staatsanwaltschaft. Für die Übertretungen und Vergehen im Strassenverkehr ist aber der Polizeizug zuständig. Er führt das Ermittlungsverfahren, trägt den Fall vor Gericht (mit Ausnahme der schweren Körperverletzungen und Tötungen, bei denen ein Staatsanwalt die Klage vertritt).
Die Entwicklung der Polizei im Kanton Basel-Stadt

Die Polizei wirkt in einem sensiblen Bereich staatlicher Tätigkeit: sie verfügt über das Gewaltmonopol des Staates und greift in die Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger ein.
Ursprünglich stand vor allem die Ordnungsfunktion im alltäglichen Leben der Gemeinschaft im Vordergrund und die Polizei beschäftigte sich mit der zunehmendem Motorisierung mit dem Verkehr und dessen Bewältigung. Neue Schwerpunkte bildeten sich in der Sicherheitspolizei (Diebstähle, Überfälle, Auswirkungen der Drogenszene, Bombendrohungen etc.) sowie in der Vorbereitung von Katastropheneinsätzen (regierungsrätliche Verordnung von 1983).

Die Entwicklung der Polizei bis zum Ersten Weltkrieg

Das erste Gesetz betreffend die Kantonspolizei datiert aus dem Jahre 1816. Aufgrund des Bevölkerungswachstums und der Ausdehnung der Stadt wurden ab 1853 verschiedene Polizeiposten eingerichtet: im französischen Bahnhof, am Rheinweg, vor der Stadt bei Grosspeter, bei der Schützenmatte, am Lysbühl, an der Burgfelderstrasse, bei der Wiesenbrücke, an der Grenzacherstrasse, in Riehen, Bettingen und Kleinhüningen, 1855 im Badischen Bahnhof am Riehenring.
1871 erweitert ein Gesetz die Stellung des Polizei-Direktors durch eine Abteilung für Strafsachen. Damit entstand die erste eigentliche Kriminalpolizei. Polizeikorps und die Abteilung für Strafsachen wurden gemeinsam geleitet, ein Umstand der wenig geeignet schien, so dass 1893 der Posten des Polizei-Direktors aufgehoben wurde. Nun übernahm der Vorsteher des Polizeidepartements das Polizeikorps und die Abteilung für Strafsachen (dies führte zu Schwierigkeiten mit der Kriminalpolizei, was erst 1931 gelöst wurde, als das Kriminalkommissariat in die Staatsanwaltschaft integriert wurde, eine aussergewöhnliche Organisationsform in der Schweiz und Europa, die immer wieder kritisiert wird. Siehe dazu die Erläuterungen unter GA-REG 3, Staatsanwaltschaft).

1917 bis 1935

1917 wurde das Polizeidepartement neu organisiert.
Der Generalstreik 1918 erforderte Sondereinsätze der Polizei. Bei zahlreichen Gefechten im Kleinbasel kamen Streikende zu Tode oder wurden verletzt.
In den zwanziger Jahren sah sich die Polizei nach verschiedenen Einsätzen erstmals gehässigen Anfeindungen ausgesetzt. 1928 kam es zu ersten antifaschistischen Demonstrationen.
Diese bewegten Jahre fielen in die Amtszeit von Rudolf Niederhauser-Freivogel (1881-1966). Er hatte das harte Vorgehen befohlen, zudem engagierte er sich gegen die sogenannten "kommunistischen Umtriebe". Der promovierte Jurist Niederhauser war vor seinem Amtsantritt in einem Advokaturbüro, beim Basler Volksblatt und als Sekretär beim Allgemeinen Consumverein beider Basel tätig gewesen. Seit 1908 vertrat er die damalige Katholische Volkspartei im Grossen Rat. Er wurde 1919 als erster katholischer Repräsentant in den Regierungsrat gewählt und stand zwischen 1919 und 1930 dem Polizeidepartement und ab 1920 auch der Militärdirektion vor. Danach wechselte er ins Finanzdepartement, 1935, wurde er anlässlich des grossen Wechsels hin zum "Roten Basel", abgewählt. Seit 1925 leitete er das "Strassenbahnwesen". Von 1938 bis zu seiner Abwahl 1947 hatte er zudem Einsitz im Nationalrat.
1930 löste Carl Ludwig-Sprecher von Bernegg (1889-1967) Niederhauser ab. Ludwig war vor seiner Wahl Staatsanwalt (1919-1923) und Strafgerichtspräsident (1923-1930) gewesen. Er arbeitet an der Revision der Strafgerichtsordnung mit, welche 1931 abgeschlossen wurde. 1935 musste auf auf Beschluss der sozialdemokratischen Regierungsmehrheit das Polizeidepartement abgeben und ins Finanzdepartement wechseln, das er bis 1946 leitete. Neben seinem Regierungsratsmandat war er Dozent für Strafrecht (ab 1929 Privatdozent, ab 1938 ausserordentlicher Professor, ab 1949 ordentlicher Professor an der Universität Basel). Während dem Krieg amtete er vom Finanzdepartement aus als kantonaler Militärdirektor. Nach seiner Regierungstätigkeit nahm er Einsitz im Verwaltungsrat der Ciba, war Statthalter des Appellationsgerichts (1946-1962), engagierte sich in der Schweizerspende und Deutschlandhilfe und war Präsident der Europahilfe. Er verfasste den Bericht über die Flüchtlingspolitik der Schweiz in den Jahren 1933-1955 (siehe zu Ludwig auch das Privatarchiv 916).
In den ersten Kriegsjahren war Ludwig als Polizeidirektor mit den Folgen des Nationalsozialismus in Basel befasst. Zu heftigen Reaktionen in der Basler Bevölkerung führte das Hissen der Hakenkreuz-Fahne am Deutschen Reichsbahnhof (früher und später Badischer Bahnhof) anlässlich der Reichstagseröffnung in Berlin im März 1933. Im Anschluss an eine kommunistische Versammlung zum Internationalen Tag der Frau begaben sich etwa 500 Arbeiterinnen und Arbeiter zum Bahnhof, wo die Balser Polizei mit Säbel und Gummiknüppel bereit stand, um das Bahnhofsareal zu schützen. Bei den folgenden Zusammenstössen kam es zu Verletzten und Verhaftungen und in den folgenden Nächten fanden im Kleinbasel eigentliche Strassenschlachten statt. Es folgten Protestveranstaltungen, Strafanzeigen, Diskussionen, Ratsdebatten und persönlichen Erklärungen und das Verhältnis zwischen Bevölkerung und Polizei war stark angeschlagen.
Am 18. August 1933 wurde ein baselstädtisches Demonstrationsverbot erlassen, was erneut Unruhen schuf. Das Verbot betraf alle Demonstrationen, wenn "von ihnen zu erwarten ist, dass sei zur Beleidigung eines fremden Volkes oder einer fremden Regierung führen". Damit betraf es vor allem kommunistische und sozialdemokratische Veranstaltungen aber auch faschistische und nationalistische.
In die Amtszeit Ludwigs im Polizeidepartement fielen zahlreiche Neuerungen im Strassenverkehr: zu nennen sind die ersten Verkehrskanzeln, Verkehrsteiler und Schutzinseln (im Volksmund als "Ludwig-Archipel" betitelt) sowie das Hupverbot.

1935 bis 1963: die Ära Brechbühl

Fritz Brechbühl (1897-1963), der die Nachfolge von Ludwig im Polizeidepartement antrat und es zwischen 1935 und 1963 führte, hatte völlig andere Vorstellungen von der Polizeiarbeit. Man sagt von ihm, dass er die Polizei von einem Instrument des herrschenden Bürgertums zu einem machte, das dem Gemeinwesen Ordnung und Rechtssicherheit gibt. Er verbesserte das Vertrauensverhältnis zwischen Bevölkerung und Polizei massgeblich. Im Zweiten Weltkrieg zeichnete er sich durch eine humane Haltung aus. Sein Amt trat der gelernte Uhrenarbeiter, der seit 1921 Sekretär des VPOD war 1935 an. Seine Wahl erfolgte im Rahmen der Regierungsratswahlen, welche der Sozialdemokratie zu einer Mehrheit im Regierungsrat verholfen hatte ("Rotes Basel").
Brechbühl stand dem Polizeidepartement, der Militärdirektion und dem Löschwesen vor. Er organisierte den Polizeibetrieb neu und erreichte damit verbesserte Effizienz. Der Mannschaftsbestand betrug damals 500 Mann. In seiner Amtszeit wurden die Polizisten neu uniformiert.
Vor seiner Wahl hatte Brechbühl von 1925-1935 als Richter am Zivilgericht geamtet. Als Regierungsrat war er von 1933-1935 Mitglied des Bankrates der Basler Kantonalbank, 1938 -1963 Präsident der Sport-Toto-Gesellschaft, langjähriger Präsident der SP Basel und zwischen 1951 und 1963 Nationalrat. In seiner 28jährigen Amtszeit wurde er vier mal Regierungspräsident.

Die Verkehrsabteilung des Polizeidepartements wurde von 1947 an über 20 Jahre lang (bis 1968) von Adolf Ramseyer (1913-1969) geleitet (siehe dazu PD-REG 12). Adolf Ramseyer trat 1936 in den Polizeidienst ein. 1947 wurde er Chef der Verkehrsabteilung, 1948 Polizeihauptmann, später Oberst und als Major 1967 Polizeiinspektor (Kommandant der Kantonspolizei). Als Polizeiinspektor machte er sich verdient in der Umgestaltung des Postendienstes, des Rapportwesens, der Schaffung des Alarmpiketts, der Neueinrichtung des Verwarnungs- und Verzeigungssystems und der Verbesserung der Methoden in der Rekrutierung. Er intensivierte die Ausbildung des Korps und bildete während des Zweiten Weltkrieges Luftschutzpolizisten der ganzen Schweiz aus.
Ramseyers Steckenpferd war die Leichtathletik, die er in seiner Jugend halbprofessionell betrieb. Zwischen 1931 und 1935 war er dreimal Mitglied der Nationalmannschaft. Zwischen 1950 und 1953 präsidierte er den eidgenössischen Leichtathletik-Verband. 1941 organisierte er die erste Schweizerische Polizeimeisterschaft (1941) und 1953 die erste internationale Polizeisternfahrt mit Ziel in Basel. Er war Mitglied der Schweizerischen Polizeisportkommission und Mitbegründer der Europäischen Polizeisport-Vereinigung.
Zwischen 1953 und 1968 war Adolf Ramseyer Grossrat für die Radikal Demokratischen Partei (heute Freisinnig-Demokratische Partei FDP) und hatte Einsitz im Verfassungsrat beider Basel. Bei den Regierungsratswahlen1963 unterlag er gegen Franz Hauser.

Die 60er und 70er Jahre: zeit der "Jugendfragen"

Der Sozialdemokrat Franz Hauser-Grieder (1915-1986) stand dem Departement von 1963 bis 1976 vor. Vorgängig war er Fürsorger der ÖKK gewesen (1942-44), 1944 wurde er ins Zentralsekretariat des VPOD in Zürich berufen, kam aber 1947 als Fürsorgesekretär des Bürgerlichen Fürsorgeamtes wieder nach Basel zurück. Von 1956 bis zu seiner Wahl zum Regierungsrat 1963 war er Leiter der Kantonalen Alters- und Hinterbliebenen Versicherung. Von 1953-1963 war er zudem Grossrat. Franz Hauser stand in seiner Amtszeit für verhältnismässige und angemessene Polizeiarbeit ein. Dies wurde ihm insbesondere anlässlich der Grossdemonstrationen mit Tramblockaden (Tram-sit-in) 1969 attestiert. Die sogenannten Jugendprobleme wurden ernst genommen. Das äusserte sich etwa darin, dass auf dem Barfüsserplatz vermehrt Kontrollen durchgeführt wurden. Zudem wurde eine interdepartementale Kommission für Jugendfragen eingesetzt. 1970 kam es zu acht innen- und aussenpolitisch motivierte Demonstrationen, welche ohne Ausschreitungen abliefen. Zu Beginn der 70er Jahre bereiteten die Rockers Probleme. Jugendliche, die sich in Gruppen zusammenschlossen und vor allem Alkohol konsumierten, was zu zeitweise kriminellen Ausschreitungen führte. Durch harte Verurteilungen durch die Gerichte wurde dem Problem begegnet.

In dieser Zeit war Fritz Meyer (1916- ) Polizeikommandant. Meyer war seit 1937 im Polizeidepartement tätig, er hatte in der Fremdenpolizei, der Administrativabteilung und der Politischen Abteilung gearbeitet. 1949 promovierte er als Jurist. Er leitete die Grenzpolizei, das Verzeigungsbüro und das Ressort Disziplinaruntersuchungen. 1959 wurde er zum Leiter des Aussendienstes (Uniformpolizei) ernannt. Kommandant war er von 1969 bis 1979.
Hauser suchte partnerschaftliche Lösungen mit dem Kanton Basel-Landschaft im Polizei- und Feuerwehrwesen. Er trat später in die Demokratisch Sozialen Partei DSP ein und wurde zu dessen Ehrenpräsident ernannt. Die DSP war eine Abspaltung der Sozialdemokratischen Partei SP. Die Abspaltung erfolgte im Kontext von unverhältnismässig empfundener Polizeiarbeit des Nachfolgers von Hauser Karl Schnyder (1931- ).

1976 bis 1994: Umstrukturierungen, Jugendunruhen und Fichenaffäre

Karl Schnyder leitete von 1976 bis 1994 das Polizei- und Militärdepartement PMD. Schnyder kam in Glarus zur Welt und siedelte Mitte der 1950er Jahre nach Basel um, wo er in der Chemischen Industrie als kaufmännischer Angestellter tätig wurde. Von 1963 bis 1964 war er Parteisekretär der Sozialdemokratischen Partei SP, danach war er bis zu seiner Wahl zum Regierungsrat 1976 als VPOD-Sekretär tätig . Von 1964 bis 1976 war er Grossrat der SP und von 1975 bis 1978 vertrat er den Stadtkanton als Nationalrat in Bern.
Das PMD veränderte sich unter Schnyder markant, allein 1979 setzte er sieben neue Chefbeamte ein. 1978 waren die Militärdirektion und das Löschwesen ins Polizei- und Militärdepartement integriert worden. Das Polizeikommando gliederte sich in die
- Sicherheitsabteilung,
- Verkehrsabteilung,
- Verwaltungsabteilung und den
- Spezial- und Fahndungsdienst.
In Schneiders Zeit fielen verschiedene öffentlichkeitswirksame Ereignisse: zu Beginn der 1980er Jahre die Jugendunruhen, in denen er sich aufgrund des Vorwurfs ungerechtfertigt harscher Polizeieinsätze heftiger Vorwürfe seiner Partei ausgesetzt sah (Stichwort Ryffstrassen-Besetzung, wo anlässlich einer Kundgebung 65 von 75 Teilnehmenden festgenommen wurden). Dies führte schliesslich zu seinem Parteiaustritt und der Gründung der Demokratisch Sozialen Partei DSP. Die DSP nominierte "ihren" Regierungsrat 1983 erneut. 1989 ereignete sich die "Fichenaffäre". Schnyder wurde vorgeworfen, die Existenz kantonaler Fischen wider besserem Wissen abgestritten zu haben. Er wies die Vorwürfe erfolgreich zurück und machte geltend, er habe gemäss seinem Wissensstand geantwortet, ohne jedoch im Bereich seiner Chefbeamten Konsequenzen zu ziehen. Ebenfalls kritisiert wurde seiene Haltung in Asylfragen.
Einer der massgeblichsten Chefbeamten unter Schnyder war Markus Mohler (1941- ). Er wurde 1979 vom Regierungsrat als Nachfolger von Major Fritz Meyer zum Polizeikommandanten gewählt. Der promovierte Jurist war bei der Staatsanwaltschaft als Gruppenleiter der Allgemeinen Abteilung und als Untersuchungsrichter im Unfalldezernat tätig gewesen und seit 1975 als Instruktor für Straf- und Strafprozessrecht an der Polizeischule tätig. Im Militär war er Kompaniekommandant. 1970 absolvierte er die FBI National Academy in den Vereinigten Staaten von Amerika. 1993-1996 präsidierte er die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten, 1984-1998 war er Kommandant der Schweizerischen Polizeioffizierskurse und Co-Direktor der Seminare für Polizeikommandanten, 1991-1998 Mitglied des Advisory Committee on International Policy der International Association of Chiefs of Police.
Stimmen sagen, er habe die modernste Polizei der Schweiz geschaffen. In seiner Amtszeit wurden Frauen gleichberechtigt ins Corps aufgenommen und auch AusländerInnen der Zugang zum Polizeidienst gewährt, der Bereitschaftszug wurde als Ausbildungseinheit gebildet. Mohler führte das Konzept des "Community Policing" ein, die gemeinschaftsorientierte Polizeiarbeit.
Unter seinem Kommando fanden die umstrittenen Polizeieinsätze im Umfeld des Autonomen Jugendzentrums (1980-1983) und der Alten Stadtgärtnerei (1987) statt. Das Verhalten der Bewegungen um die Autonomen Jugendzentren AJZ und der Polizei führte zu einer extremen Verhärtung. Liegenschaften wurden besetzt und durch die Polizei geräumt. 1981 nahm die Zahl der mit Gewalt verbundenen Demonstrationen stark zu, wobei nur 20 Prozent der über 40 Demonstrationen bewilligt waren.
Mohler war ein wichtiger Motor in der grenzüberschreitenden polizeilichen Zusammenarbeit. Zwei Ziele erreichte er nicht: die Integration des Kriminal-Kommissariats in die Kantonspolizei und den Aufbau einer europäischen Polizeiführungs-Akademie in Basel. Sein privates Interesse an der Musik deckte sich damit, dass während seiner Amtszeit drei grosse Polizeimusikfestivals stattfanden. Daneben der Zionistenkongress (1991) und das Jubiläum 175 Jahre Kantonspolizei Basel-Stadt (1991). Seine Person war stets umstritten und als autoritär und kommunikationsschwach wahrgenommener Kommandant blieben auch Spannungen mit seinen Vorgesetzten kein Geheimnis. Im Jahr 2001 wurde er pensioniert.

Die Polizeiarbeit verändert sich

Zwischen 1950 und 1990 veränderte sich die Polizeiarbeit vielfältig. Z.Bsp. wurden Einsätze bei Grossbränden (Nadelberg, Bankverein) oder Katastrophen (Flugzeugunfall bei Hochwald, Chemieunfall in Schweizerhalle) notwendig. Hinzu kamen Demonstrationseinsätze, Massnahmen zur Verhütung von Sprengstoffanschlägen, Anti-Terror-Massnahmen, der Schutz wichtiger Persönlichkeiten und Objekte, die Vorbereitung zu Katastropheneinsätzen, verstärkte Verkehrskontrollen (aufgrund dichteren Verkehrs bei gleichbleibenden Raumverhältnissen) usw. Zur Bewältigung dieser neuen Tätigkeitsbereiche wurden einzelne Spezialdetachemente gebildet und eingesetzt.
Am 2. April 1975 wurde die veraltete Bezeichnung Polizeiinspektorat in Polizeikommando umbenannt. Jedoch war damit eigentlich die Leitung bezeichnet und nicht die Organisation. Mit dem Ausdruck Kantonspolizei wurde dem mit Regierungsratsbeschluss vom 26. Februar 1991 Rechnung getragen. Somit ist auch die Funktion im Verhältnis zu den anderen kantonalen Polizei-Korps präzisiert.
Seit 1994 ist der Freisinnige Jörg Schild (1946- ) Departementsvorsteher des PMD.
Polizei-Vereine

Das polizeiliche Vereinsleben ist ausgesprochen ausgeprägt. Darin spiegelt sich die Suche nach gemeinsamer Identität für die Entwicklung und Pflege des Corps-Geistes und der speziellen Position von Polizeibeamten in der Gesellschaft. Folgende Vereine existieren oder existierten im Kanton Basel-Stadt:

- Polizeibeamten-Verband Basel Stadt: Der im Jahr 1905 gegründete Verband kümmert sich um die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen seiner Mitglieder.
- Polizei-Diensthundegruppe Basel-Stadt: Die ersten Schäferhunde wurden 1910 angeschafft. Der Verein wurde 1945 gegründet und vereinigt die Hundeführer der Polizei.
- Fussballclub Polizei Basel: 1930 gegründeter Club, der mit verschiedenen Mannschaften am Wettspielbetrieb des Schweizerischen Polizei-Fussballverbandes teilnimmt.
- Hobby-Gruppe: Gruppen um bestimmte Hobbies wie Malen, Basteln oder Sammeln, welche ab und zu kleinere Ausstellungen organisieren.
- Polizei-Männerchor Basel: Aus der 1924 gegründeten Gesangssektion des Polizeikorps entstand später der Männerchor, welcher sich an Veranstaltungen in der Öffentlichkeit präsentiert und mit zahlreichen anderen Chören verbunden ist. Dazu gehört auch ein Vereinsinterne Theatergruppe, die während Jahrzehnten eine einzigartige Basler Volkstheatergemeinschaft bildete.
- Polizei-Musik Basel: Seit 1909 aktiv. Anlässe werden oft in einer historischen Uniform eines Polizeibeamten aus dem Jahr 1853 präsentiert.
- Polizei-Turnverein Basel-Stadt: Der Verein wurde 1925 von 21 Polizisten gegründet. Betreiben wurden Sektionsturnen, Leichtathletik, Nationalturnen, Handball und Faustball.
- Polizei-Motorsport-Club Basel: Der Club zählt über 1200 Mitglieder. Er wurde 1933 ins Leben gerufen und bietet Geschicklichkeitstests zur Förderung des präzisen Fahrens und Teilnahme an motorsportlichen Prüfungen im In- und Ausland an.
- Polizeischützen Basel: der Verein nimmt sogar an olympischen Spielen teil und existiert seit über 100 Jahren.
- Polizei-Sparverein Basel-Stadt: ältester Zusammenschluss innerhalb der Polizeivereine, der 1897 gegründet wurde. An jedem Soldtag werden Beiträge eingezogen und bei der Kantonalbank zinstragend angelegt.
- Tennis-Club Polizei Basel: Tennisbegeisterte Angehörige der Polizei spielen seit 1972 im eigenen Club, der seit 1980 eine eigene Anlage in Duggingen besitzt.
 

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Eigentum des Staatsarchivs Basel-Stadt
Zugangsbestimmungen:Es gelten die allgemeinen Benutzungsbestimmungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.
 

Sachverwandte Unterlagen:

Veröffentlichungen:Die Basler Polizei. 1905-1980. 75 Jahre Polizeibeamten-Verband des Kantons Basel-Stadt. Basel, 1984.

175 Jahre Basler Polizei. 1816-1991. Markus Fürstenberger, Hg. Kantonspolizei Basel-Stadt, Robert Heuss. Basel 1991.

Basilea-Info. Informationsblatt der Kantonspolizei Basel-Stadt, 1995ff.

Mein Einsatz - deine Sicherheit. Ein Buch über die Schweizerische Polizei und die Schweizerische Feuerwehr. Hg. Verband Schweizerischer Polizei-Beamter und Schweizerischer Feuerwehrverein, 2. Auflage, Zürich 1970.

Basels Polizei im Wandel der Zeiten. Fragmente zur geschichtlichen Entwicklung des Basler Polieziwesens von Polizeihauptmann Ad. Ramseyer. Separatdruck aus der Jubiläumsschrift "50 Jahre Poliezibeamten-Verband Basel-Stadt 1905-1955". Basel 1955.

Jubiläumsschrift 50 Jahre Polizeibeamten-Verband Basel-Stadt 1905-1955. Hg. Organisationskomitee zum Jubiläum des 50jährigen Bestehens des Polizeibeamten-Verbandes Basel-Stadt. Redaktionelle Bearbeitung durch Ad. Ramseyer, Polizeihauptmann und Aug. Muggli, Polizeimann. Basel 1955.

50 Jahre Luftschutz-Offiziersgesellschaft beider Basel 1944-1994. Major Max Stauv, Hg. Luftschutz-Offiziersgesellschaft, Liestal 1994.

Geschichte des scheizerischen Zivilschutzes. Hg. Bundesamt für Zivilschutz, Bern 1978.

Der zivile Luftschutz. Max Höriger, 1935.

Luftschutz 1934-1945, Dokumente. Verf. von Eduard von Waldkirch, 1945.

Luftschutz 1943, Hg. Eidgenössisches Militärdepartement, Abteilung für passiven Luftschutz, Bern 1942.

Vom Luftschutz zum Zivilschutz: aus der Geschichte des passiven (blauen) Luftschueztes und des Zivilschutzes. Aeberhard Robert, Solothurn 1983.
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:08.06.1999
Revisionsdatum:04.11.2004
 

Deskriptoren

Einträge:  Polizeiinspektorat (Personenbegriffe\)
  Kantonspolizei Basel-Stadt (Personenbegriffe\)
 

Behältnisse

Anzahl:17
 

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PD-REG 2a 21 Stellenbewerbungen an das Polizeidepartement (14 Fasc.), 1936-1955 (Serie)

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PD-REG 2a 31 Ueberprüfung des Staatshaushalts (aufgrund der Volksinitiative vom 3./4. Juni 1939) (Serie)

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PD-REG 2a 35 Spiegelhof (Polizeiverwaltungsgebäude) (Serie)

Verwandte VE in scopeArchiv:
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siehe auch:
PD-REG 16 Kantonspolizei: Logistik, 1996-2011 (Fonds)

siehe auch:
BSL 1049 Dia- und Tonbildschauen der Kantonspolizei Basel-Stadt, 1973-1984 (Bestand)

Verwandte VE in scopeArchiv:
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Benutzung

Schutzfristende:31.12.2029
Erforderliche Bewilligung:Gemäss Archivgesetz BS
Physische Benützbarkeit:uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Oeffentlich
 

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