IGB-REG Israelitische Gemeinde Basel, 1807-2004 (Fonds)

Archivplan-Kontext

 

Identifikation:

Signatur:IGB-REG
Titel:Israelitische Gemeinde Basel
Entstehungszeitraum:1807 - 2004
Verzeichnungsstufe:Fonds
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Link): Israelitische Gemeinde Basel (Basel)
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:1805 entstand die dritte jüdische Gemeinde in Basel. In diesem Jahr hat die jüdische Glaubensgemeinschaft Joseph Meyer als Vorsinger der Schule (Synagoge) und Schochet (Schächter) aus Blotzheim nach Basel berufen. Die dritte Gemeinde knüpfte an die beiden mittelalterlichen Gemeinden an, deren Geschichte 1397 endete, als die Juden Basel wohl aus Furcht vor drohenden Verfolgungen verliessen, wobei die Gründe bisher nicht erschöpfend untersucht worden sind. Nachdem rund 400 jahre kaum Juden in Basel gelebt hatten, zogen ab 1798 im Zuge der Helvetik, die ihnen Niederlassungsfreiheit und Liegenschaftserwerb gewährte, jüdische Familien aus den umliegenden elsässischen Dörfern nach Basel. Bereits 1815 lebten dort 35 Familien mit 198 Personen.
Trotz der zu nehmenden Einschränkungen der Mediationszeit gelang es einer Reihe von Familien, ihr Wohnrecht in Basel zu erhalten. Dennoch waren 1847 nur noch 11 Familien niedergelassen. Die Revision der Kantonsverfassung vom selben Jahr ermög-lichte den ansässigen Israeliten und ihren in Basel geborenen und aufgewachsenen Söhnen erstmals das Niederlassungsrecht (vgl. Gutachten und Verfassungsentwurf der vom Verfassungsrath eingesetzten Kommission, Ratschlag 171). Dieses wurde definitiv im Niederlassungsgesetz vom 7. Februar 1849 verankert. Damit war der Fortbestand der Gemeinde gesichert. Allerdings folgten nochmals gut 20 Jahre bis zur völligen rechtlichen Gleichstellung. 1866 brachte eine Teilrevision der Bundesverfassung allen Juden in der Schweiz das freie Niederlassungsrecht. In der Totalrevision von 1874 folgte die Garantie der religiösen Freiheit. Bereits zwei Jahre zuvor waren 1872 die ersten Juden ins Basler Bürgerrecht aufgenommen worden.

Bis etwa 1870 stammten die in Basel ansässigen jüdischen Familien ausschliesslich aus dem benachbarten Elsass. Ab den 1860er Jahren erhielten sie Zuzug von Juden aus dem süddeutschen Raum. Die Judenverfolgungen in Russland und Polen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts lösten eine Migrationswelle aus, in deren Folge bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges eine grössere Zahl Zuwanderer nach Basel kam. Insgesamt blieb aber nur ein kleinerer Teil der Ostjuden in Basel. Weitaus grösser war die Zahl der Passantinnen und Passanten, die auf der Durchreise nach Übersee lediglich einige Tage oder Wochen in der Stadt verweilten. Dennoch vermehrte sich die die jüdische Bevölkerung Basels bis 1920 auf rund 2'500 Personen.
Die Israelitische Gemeinde entwickelte sich in dieser Zeit zu einer in der jüdischen Tradition verwurzelten Einheitsgemeinde, in die sich die aus verschiedenen Kulturkreisen stammenden Gemeindemitglieder integrieren konnten. Dennoch kam es immer wieder zu Spannungen zwischen "Liberalen" und "Orthodoxen", die in der Rabbinerwahl von 1926 eskalierten. In der Folge trennte sich eine Gruppe streng orthodoxer Familien von der Gemeinde und gründete 1927 die Israelitische Religionsgesellschaft Basel (IRG). Seitdem existieren zwei jüdische Gemeinden. Die Israelitische Gemeinde ist Mitglied des 1904 gegründeten Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG).
Einen weiteren Zuwachs erfuhren die Basler Juden in den Jahren nach 1933, als viele verfolgte deutsche und österreichische Glaubensgenossen in der Schweiz Zuflucht suchten. Die äussere Bedrohung liess die Gemeinde zusammenrücken. Herausragendes Beispiel ist das nie nachlassende Engagement für die zumeist mittellosen Flüchtlinge und Emigranten. Diese Aufgabe oblag der Fürsorge der Gemeinde, die eng mit dem Verband der Schweizerischen Israelitischen Fürsorgen zusammenarbeitete. Nach dem Zweiten Weltkrieg verliess allerdings ein Teil der Flüchtlinge - auch unter dem Druck der eidgenössischen Behörden - die Schweiz. 1973 erfolgte die öffentlich-rechtliche Anerkennung der Israelitischen Gemeinde im Kanton Basel-Stadt. Sie ist seitdem den drei christlichen Kirchen rechtlich gleichgestellt. Lange Zeit blieb die Zahl der Gemeindemitglieder in etwa konstant. Seit 1980 verzeichnet die Gemeinde allerdings einen kontinuierlichen Mitgliederrückgang. Heute (1995) gehören ihr rund 1'400 stimmberechtigte Mitglieder an, die Gesamtzahl der in Basel lebenden Menschen jüdischen Glaubens oder Herkunft dürfte etwa 2'000 Personen betragen.

Die Entwicklung der Gemeinde findet auch in den Gemeindebauten ihren sichtbaren Niederschlag. Nach längeren Planungen entstand in den Jahren 1865 bis 1868 die Synagoge an der Ecke Leimenstrasse/Eulerstrasse. Sie ersetzte eine ältere, 1849/50 eingerichtete Synagoge am Unteren Heuberg 21. Wegen der wachsenden Zahl der Gemeindemitglieder erfolgte bereits Ende der 1880er Jahre ein Umbau, der 1892 fertiggestellt wurde. Die vergrösserte Synagoge bot nun rund 700 Personen Platz und ist bis heute im wesentlichen unverändert geblieben. Angrenzend an die Synagoge entstand 1909 ein Gemeindehaus, das in den Jahren 1956/57 einem Neubau mit Gemeindesaal weichen musste.
Hinzuweisen ist ferner auf den jüdischen Friedhof. Bis zur Jahrhundertwende wurden die Juden Basels in der Regel auf dem jüdischen Friedhof in Hegenheim bestattet. Ein erster Vorstoss zur Errichtung eines jüdischen Friedhofs in Basel scheiterte 1888 sowohl an der ablehnenden Haltung des Regierungsrates als auch eines Teils der Gemeindemitglieder, die höhere Ausgaben und damit Steuern ablehnten. 1896 scheiterte ein weiterer Friedhofsplan in Bottmingen, diesmal an der Baselbieter Kantonsregierung, die für ihre ablehnende Haltung das kantonale Sanitätsgesetz bemühte, das für jede Gemeinde nur einen Friedhof vorsehe, auf dem alle Verstorbenen ohne Rücksicht auf Religion oder Herkunft begraben würden. Erst 1902 bewilligte der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt ein Friedhofsprojekt an der damals ausserhalb der Stadt gelegenen Burgfelderstrasse. Im August 1903 folgte die Einweihung des jüdischen Friedhofs (heute Theodor Herzl-Strasse), der seither - räumlich mehrfach erweitert - der Gemeinde als Begräbnisstätte dient.
 

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Depositum
Zugangsbestimmungen:Es gelten besondere Benutzungsbestimmungen.
 

Sachverwandte Unterlagen:

Verwandtes Material:Archiv für Zeitgeschichte, Zürich:
- Archiv des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG)
- Archiv des Verbands Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen/Flüchtlingshilfen (VSJF)
Veröffentlichungen:M[oses] Ginsburger: Die Juden in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 8 (1909), S. 315-346.

Katja Guth-Dreyfus: 175 Jahre Israelitische Gemeinde Basel, in: Basler Stadtbuch 101 (1980), S. 153-162.

Patrick Kury: "Man akzeptierte uns nicht, man tolerierte uns nicht!" Ostjudenemigration nach Basel 1890-1930. Umfang - Wahrnehmungen - Erfahrungen, unveröffentlichte Lizentiatsarbeit, Basel 1994.

Achilles Nordmann: Geschichte der Juden in Basel seit dem Ende der zweiten Gemeinde bis zur Einführung der Glaubens- und Gewissensfreiheit 1397-1875, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 13 (1914), S. 1-190.

Theodor Nordemann: Zur Geschichte der Juden in Basel. Jubiläumsschrift der Israeltischen Gemeinde Basel aus Anlass des 150jährigen Bestehens 1805-1955, Basel 1955.
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:20.08.2001
Revisionsdatum:11.08.2004
 

Deskriptoren

Einträge:  Israelitische Gemeinde Basel (Personenbegriffe\)
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:Verwandte VE in scopeArchiv:
PLA 47 Israelitische Gemeinde Basel (Friedhof, Gemeindehäuser), 1955-1968 (Bestand)

siehe auch:
PA 792 Archiv des Israelitischen Spitals Basel (Israelitischer Spital-Verein), 1903-1953 (Bestand)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PLA 5 Israelitische Gemeinde Basel (Friedhof, Synagoge, Gemeindehäuser), 1888-1956 (Bestand)

Verweis von:
PA 793 [leer] / Archiv der israelitischen Gemeinde Basel (Bestand)

PA 1115 Archiv des Jüdischen Museums der Schweiz, 1949-2001 (Fonds)
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.2034
Erforderliche Bewilligung:Provenienzstelle
Physische Benützbarkeit:uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Oeffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=80001
 
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