PA 387 Freisinnig-Demokratische Partei Basel-Stadt, 1869-1995 (ca.) (Fonds)

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Identifikation:

Signatur:PA 387
Titel:Freisinnig-Demokratische Partei Basel-Stadt
Entstehungszeitraum:1869 - approx. 1995
Verzeichnungsstufe:Fonds

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Text):Freisinnig-Demokratische Partei Basel-Stadt FDP
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Die Geschichte der FDP Basel-Stadt:

1894 konstituierte sich die Freisinnig-Demokratische Partei Basels (FDP), die sich der wenig später gegründeten Freisinnig-Demokratischen Partei der Schweiz als kantonale Sektion anschloss. Damit vollzogen auch die seit der Totalrevision der Kantonsverfassung von 1875 in Basel-Stadt politisch vorherrschenden Freisinnigen den Schritt zu einer festen Organisationsstruktur, nachdem kurz zuvor sowohl die Konservativen als auch die Sozialdemokraten Parteiorganisationen geschaffen hatten. Vorläufer der neuen freisinnigen Partei waren der Verein der Liberalen Basels (1869), der Schweizerische Volksverein (1872-1878) und der Demokratische Verein (1878-1894). Daneben existierte der Verein liberaler Grossräte (seit 1891 Verein freisinniger Grossräte), der die Fraktion der Liberalen/Freisinnigen im Grossen Rat umfasste und bis weit über die Parteigründung hinaus als das eigentliche Führungsorgan der Basler Freisinnigen anzusehen ist.
Im 19. Jahrhundert umfasste der Freisinn ein breites Spektrum politischer Richtungen. Innerparteiliche Kontroversen führten in den Jahren 1904 bis 1907 zu einer Klärung der Positionen, nachdem die Partei seit Ende der 1880er Jahre Anhänger sowohl an die Konservativen (1905 als Liberale Partei organisiert) als auch an die Sozialdemokraten verloren hatte. Unter dem Einfluss der 1904 gegründeten Jungfreisinnigen Vereinigung öffnete sich die Partei in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg sozialreformerischen Strömungen, womit der Freisinn von einem betont nationalen Standpunkt aus soziale Anliegen der aufstrebenden Sozialdemokratie aufnahm, die damit zurückgebunden werden sollte.

Anlass und Hintergrund dieses innerparteilichen Klärungsprozesses war das Ende der knapp dreissigjährigen politischen Dominanz des Basler Freisinns nach der Einführung der Proporzwahl im Jahre 1905. Bei den anschliessendenden Grossratswahlen verloren die Freisinnigen ihre bisherige Mehrheit im Grossen Rat. Schon 1908 rückten die Sozialdemokraten zur stärksten Partei auf, während die Zahl der freisinnigen Mandate weiter zurückging. 1910 verlor die Partei dann auch die seit 1881 gehaltene absolute Mehrheit im Regierungsrat. In den folgenden Jahren setzte sich der Rückgang des Freisinns fort, er blieb allerdings die stärkste bürgerliche Partei.
Die explosive soziale und politische Lage am Ende des Ersten Weltkrieges liess die innerparteilichen Differenzen zwischen konservativem und liberalem Parteiflügel erneut aufbrechen. Ausdruck war die Namensänderung von 1919. Seitdem firmierte der Basler Freisinn bis 1973 als Radikaldemokratische Partei. Sie war in der Zwischenkriegszeit gesamtschweizerisch gesehen eher auf dem "linken" Flügel der FDP angesiedelt, wenn man auf kantonaler Ebene auch im 1917 entstandenen sogenannten Nationalen Block mit den anderen bürgerlichen Parteien gegen die politische Linke zusammenarbeitete. Innerhalb der Wählerschaft stützten sich die Radikalen vor allem auf Angestellte und Selbständige, welche auch den Kern der Parteimitgliedschaft stellten.

Während der Epoche des "Roten Basel" (1935-1950) unterstützten die Radikalen in Sachfragen teils die sozialdemokratischen Regierungsmehrheit, obwohl sie weiterhin im Bürgerblock mit den Liberalen und Katholisch-Konservativen zusammenstanden. 1950 gelang ihnen die Eroberung eines zweiten Sitzes im Regierungsrat, nachdem sie seit 1919 nur einen Vertreter gestellt hatten. 1973 nahm die Partei wieder den Namen Freisinnig-Demokratische Partei an, womit sie sich sprachlich wieder als das zu erkennen gab, was sie seit 1894 war, die Basler Kantonalpartei der Freisinnig-Demokratischen Partei der Schweiz.
2. Die Gliederung der Parteiorganisation

Zentrale Parteiorgane waren nach den Statuten von 1894 die bereits seit den 1880er Jahren in den einzelnen Grossratswahlkreisen existierenden freisinnigen Quartiervereine, die Delegiertenversammlung und der Parteiausschuss. Eine erste Statutenrevision im Jahre 1899 stärkte die Stellung der Quartiervereine, erweiterte die Delegiertenversammlung und führte als neue Instanz den Parteitag ein. Die Statutenrevision von 1905 stärkte die Stellung des Parteiausschusses, des eigentlichen Führungsorgans der Partei, dem nun ex officio die Präsidenten der Quartiervereine und die freisinnigen Vertreter Basels in der Bundesversammlung angehörten. 1910 straffte eine weitere Statutenrevision die Parteiorganisation. Der Parteiausschuss wurde in einen Zentralvorstand umgewandelt. Dieser stellte aus seiner Mitte einen geschäftsleitenden Ausschuss (die spätere Geschäftsleitung), der die laufenden Parteiangelegenheiten führte. Erstmals wurde nun auch die freisinnige Grossratsfraktion (vormals Verein freisinniger Grossräte) in den Statuten als Parteiorgan verankert.
Dieser Parteiaufbau blieb - soweit ersichtlich - lange Jahre unverändert. Eine grundlegende Reformation erfolgte erst mit der Namensänderung von 1973, als der Zentralvorstand aufgelöst und durch die bisherige Geschäftsleitung ersetzt wurde. Ziel dieser Verkleinerung war eine Straffung der Parteiorganisation. Demselben Zweck diente die Schaffung eines Büros der Geschäftsleitung, das 1981 statuarisch verankert wurde. Die Mitspracherechte der Quartiervereine werden durch die Präsidentenkonferenz repräsentiert, die aber lediglich als beratendes Konsultativorgan ohne Beschlusskompetenz fungiert. Weitere Organe der Partei waren oder sind die verschiedenen sachpolitisch ausgerichteten Arbeitsgruppen sowie besondere Organisationen bestimmter Mitgliederkategorien wie die Jungfreisinnigen oder die Gruppe für Fraueninteressen (seit 1981 Kommission für Frauenfragen).

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Depositum
Zugangsbestimmungen:Es gelten besondere Benutzungsbestimmungen.

Sachverwandte Unterlagen:

Veröffentlichungen:Lüthi, Walter, Der Basler Freisinn von den Anfängen bis 1914. 161. Neujahrsblatt. Hrsg. von der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige, Basel 1983.

Das politische System Basel-Stadt. Geschichte, Strukturen, Institutionen, Politikbereiche. Hrsg. von Lukas Burckhardt, René L. Frey, Georg Kreis und Gerhard Schmid, Basel und Frankfurt/Main 1984.

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:7/5/1999
 

Descriptors

Entries:  Freisinnig-Demokratische Partei Basel-Stadt (Personenbegriffe\F)
 

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siehe auch:
PA 1167 Archiv der Demokratisch-Sozialen Partei DSP, 1921-2009 (Fonds)
 

Usage

End of term of protection:12/31/2025
Permission required:Provenienzstelle
Physical Usability:uneingeschränkt
Accessibility:Oeffentlich
 

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