PA 888 Archiv des Basler Kunstvereins, 1850-1978 (Fonds)

Archive plan context

 

Identifikation:

Signatur:PA 888
Titel:Archiv des Basler Kunstvereins
Entstehungszeitraum:1850 - 1978
Verzeichnungsstufe:Fonds
 

Kontext:

Aktenbildner/Provenienz (Text):Basler Kunstverein
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben:Die Gründung des Basler Kunstvereins (BKV) 1839, einer Sektion des im denselben Jahr gegründeten Schweizerischen Kunstvereins, steht im Zusammenhang mit den Bemühungen seit Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts, die Kunstpflege in der Schweiz wiederzubeleben, ein Bestreben, das bereits in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zur Errichtung verschiedener Künstlergesellschaften geführt hatte, darunter auch einer gesamtschweizerischen (1806). In Basel entstand so 1812 eine erste Künstlergesellschaft - im folgenden Basler Künstlergesellschaft I (1812-1839) genannt -, in der Künstler und Kunstfreunde zusammenkamen. Ihre Anliegen waren u.a. die "Aufmunterung des Kunst-Sinns", die "Bekanntmachung der hiesigen Künstler" und die "gegenseitige Belehrung über Gegenstände der Kunst", Ziele, die in für diese Art bürgerlicher Vereine bezeichnendem geselligen Rahmen erreicht werden sollten. Die politischen Verhältnisse der 30er Jahre führten jedoch zu einer Krise dieser Gesellschaften, die u.a. 1839 eine Neugründung der gesamtschweizerischen Gesellschaft, dem Schweizerischen Kunstverein, zur Folge hatte. In Basel hatte sich die oben erwähnte Künstlergesellschaft 1839 u.a. im Hinblick auf die geplante Neugründung eines Basler Kunstvereins (BKV) aufgelöst. Dieser Kunstverein war v.a. auf die Vermittlung der Kunst an die Bevölkerung ausgerichtet, weniger auf die konkrete Arbeit der Künstler und das gesellige Element der Gesellschaft. Daher wurde 1842 parallel zum BKV eine zweite Basler Künstlergesellschaft gegründet - Basler Künstlergesellschaft II (1842-1864) -, die diese Lücke schliessen sollte.
Diese zweite Künstlergesellschaft fusionierte unter ihrem Vorstandsmitglied Johann Jakob Im Hof (1815-1900) 1864 mit dem BKV. Im Hof übernahm darauf bis 1889 die Präsidentschaft des BKV. Sein Nachlass wurde unter der Signatur P dieses Privatarchivs aufgestellt. Eine dritte, noch heute existierende Künstlergesellschaft entstand 1888 unter dem Maler Hans Sandreuter. Dazu sind keine Akten vorhanden.
Die Leitung und Verwaltung des BKV wurde von einer Kommission wahrgenommen, die aus Präsident, Statthalter, Schreiber, Kassier, Konservator und drei bzw. ab 1864 sieben Mitgliedern bestand. Einmal jährlich führte der BKV eine "allgemeine Versammlung" der Mitglieder durch. U.a. dienten gemeinsame, wenn auch nicht immer regelmässig durchgeführte Mai- bzw. Herbstfahrten der Pflege der Vereinsgeselligkeit. Der BKV engagierte sich stark im Ausstellungsbereich und übernahm immer wieder die Organisation der ab 1840 jährlich stattfindenden "Allgemeinen Schweizerischen Kunstausstellungen", dem sogenannten "Turnus". Neben wechselnden Ausstellungen führte er seit 1840 auch eine "permanente" Ausstellung. Als Ausstellungslokal diente dem BKV ab 1841/42 ein Raum im Gebäude der Lesegesellschaft, bis er 1872 die neuerbaute Kunsthalle beziehen konnte, deren Finanzierung grossenteils durch den Rheinfährebetrieb ermöglicht worden war. Ende der 40er Jahre hatte das damalige Vorstandsmitglied der zweiten Basler Künstlergesellschaft, der bereits oben erwähnte Johann Jakob Im Hof, die Errichtung einer Fähre über den Rhein initiiert, um so ein "Künstlerhaus" als Vereins- und Ausstellungslokal für die Gesellschaft finanzieren zu können.
Seine Bemühungen sollten schliesslich - nach der Fusion der zweiten Basler Künstlergesellschaft mit dem BKV - dem BKV im Bau der Kunsthalle zugute kommen. Die erste Fähre, die sog. "Harzgrabenfähre" zwischen Harzgraben und dem oberen "Baar" erhielt 1854 die Konzession und war bis 1877 in Betrieb. Der Bau der Wettsteinbrücke führte zur Kündigung der Konzession und zur Betriebsaufgabe. Sie wurde jedoch durch die sogenannte "Pfalz-Fähre" ersetzt, die 1877 ihren Betrieb aufnahm und bis 1886 im Besitz des BKV blieb. 1886 kam die Pfalzfähre in den Besitz der beiden Badanstalten, 1941 in private Hände. Bereits 1862 war ein Konzessionsgesuch für eine zweite Fähre eingereicht worden, die auch bewilligt wurde. Im selben Jahr nahm die St. Johann- oder Klingentalfähre zwischen St. Johanngraben und äusserem Klingentalweg ihren Betrieb auf. 1936 ging die Fähre in den Besitz ihres langjährigen Fährmannes über. Die dritte Fähre des BKV, die St. Alban-Tal-Fähre, nahm 1894 ihren Betrieb zwischen St. Albankloster und Kinderspital auf. Bis zum Bau der St. Alban-Brücke blieb sie im Besitz des BKV, der sie 1954 an den bisherigen Fährmann verkaufte. Die vierte und letzte Fähre des BKV, die Johanniter- oder Schlachthausfähre, erhielt 1895 ihre Konzession. Sie wurde v.a. von der in den Fabriken arbeitenden Bevölkerung des äusseren St. Johann- und Spalen-Quartiers benutzt, für die sie eine deutliche Verkürzung des Arbeitsweges bedeutete.
Die Fähre blieb bis zur Eröffnung der Dreirosenbrücke 1934 in Betrieb und stand Zeit ihres Bestehens in bezug auf Verkehr und Einträglichkeit an der Spitze. Ab den 70er Jahren kamen die Fähren allmählich in den Besitz der "Stiftung Basler Fähren". 1989 wurde auch die 1934 stillgelegte Johanniter-Fähre wieder in Betrieb genommen.
Der Ausbau des Ausstellungsbetriebes des BKV führte 1909 zu einer Erweiterung der Kompetenzen der für die Ausstellungen zuständigen Person. Der seit 1879 angestellte "Ausstellungsverwalter" August Emanuel Bernoulli-Müller (1834-1917), der seit 1865 bereits die Sekretariatsarbeiten des BKV sowie, von 1885 bis 1902, auch diejenigen des Zentralkomitees des Schweizerischen Kunstvereins mit Sitz in Basel besorgt hatte und 1909 zurücktrat, war einer Kunstvereinskommission unterstellt gewesen. Der neue "Konservator" der Kunsthalle verantwortete hingegen die Zusammensetzung des Ausstellungsprogramms und dessen künstlerischen Gehalt selber. Er trat der Kommission des Kunstvereins als ebenbürtiger Partner gegenüber. Als erster Konservator fungierte Wilhelm Barth-Vidal (1869-1934), dessen Nachlass unter der Signatur Q dieses Privatarchivs verzeichnet wurde. In der Literatur wird mit seinem Eintritt der Beginn einer neuen Epoche der Kunsthalle und des Kunstverens verbunden: Während die Zeit von 1839 bis 1909 geprägt gewesen sei vom Bemühen, die "vaterländische" Kunst und die damit zusammenhängenden Schaffung eines national-schweizerischen Kulturbewusstseins zu fördern,
habe sich der Kunstverein nach 1909 zum Träger einer neuen Art der Kunstvermittlung gemacht, sei er von der aufkommenden künstlerischen "Moderne" bestimmt gewesen (Geschichte des Basler Kunstvereins und der Kunsthalle, 1989, S. 13). Neben seiner Tätigkeit als Konservator (bis 1934) war Wilhelm Barth 1917-1923 Aktuar des Schweizerischen Kunstvereins und von 1923 bis 1929 dessen Präsident; 1915-1923 war er Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission; schliesslich war er in den 20er Jahren Protokollant der Kunstkreditkommission; ab 1927 war er Privatdozent, ab 1931 a. o. Professor der Universität Basel.
Der BKV hatte anfangs die Öffentliche Kunstsammlung finanzielle unterstützt, beschloss jedoch 1863/64, einen Teil der Mitgliederbeiträge zur Errichtung einer eigenen Sammlung zeitgenössischer Kunst zufliessen zu lassen. Ihr systematischer Ausbau erfolgte unter Jacob Sarasin-Schlumberger, 1890-1907 Präsident des BKV. Raum- und Finanznot zwangen jedoch den BKV, Teile der Sammlung der Öffentlichen Kunstsammlung zu verkaufen.
 

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Depositum
Zugangsbestimmungen:Es gelten besondere Benutzungsbestimmungen.
 

Sachverwandte Unterlagen:

Veröffentlichungen:Barth-Vidal, Wilhelm: Emanuel Bernoulli-Müller (Nekrolog). In: Jahresbericht des Basler Kunstvereins über das Jahr 1917. Basel 1918 (S. 3-10) (PA 888 D 2.3)

Basler Kunstverein (Hg.): Die Geschichte des Basler Kunstvereins und der Kunsthalle Basel 1839-1988. 150 Jahre zwischen vaterländischer Kunstpflege und modernen Ausstellungen. Basel 1989

Die vier Basler Fähren. Ein Foto-Porträt mit Texten von Beat Trachsler und Niggi Schoellkopf. Basel 1992

Koelner, Paul: Die Basler Rheinfähren. Basel 1944 (SA Nationalzeitung Basel vom 18. und 25. Juni 1944)
 

Kontrolle:

Erschliessungsgrad:Detailliert
Aufnahmedatum:10/5/1999
Revisionsdatum:11/17/2003
 

Descriptors

Entries:  Basler Kunstverein (Personenbegriffe\B)
 

Related units of description

Related units of description:Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 1049 Korrespondenz zwischen Lucas Lichtenhan (1898-1969) und Christoph Bernoulli (1897-1981) sowie andere Briefe an Lucas Lichtenhan, 1918 (ca.)-1965 (ca.) (Bestand)

Verwandte VE in scopeArchiv:
PA 1102 Nachlass von Andreas Sebastian Barth-Götzmann (1916-1990) und Gertrud Barth-Götzmann (1921-1998), 1889-1998 (Bestand)

siehe auch:
PA 1216a B 1 Basler Kunstverein (Serie)
 

Usage

End of term of protection:12/31/2008
Permission required:Gemäss Archivgesetz BS
Physical Usability:uneingeschränkt
Accessibility:Oeffentlich
 

URL for this unit of description

URL:http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=88173
 
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